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  • Kritik: Monsterwellen und Schiffbruch - Petersen versenkt die «Poseidon»

    Im Schiffe versenken ist Wolfgang Petersen kaum zu schlagen. Der Ostfriese schickte «Das Boot» (1981) auf Tauchgang und ließ den Fischkutter Andrea Gail in «Der Sturm» (2000) dramatisch sinken. Mit dem Ozeanriesen «Poseidon» hat es der Regisseur in Hollywood nun besonders eilig.

    Mit einer Monsterwelle lässt der 65-jährige Wasserexperte das Luxuskreuzfahrtschiff im Atlantik kentern. Für eine Hand voll Überlebende wird es ein Wettlauf mit der Zeit, weil das Wasser in dem schlingernden Wrack stetig steigt und den Weg an die Luft versperrt. Nach 98 Minuten ist bereits alles vorbei: Keine Zeit für Gefühlsduseleien wie beim Untergang der «Titanic», kein Platz für packenden Psychotiefgang wie in dem U-Boot-Drama «Das Boot».

    «Ich schicke die Zuschauer von einer schönen, ausgelassenen Welt in die absolute Hölle. Das ist eine unglaublich angespannte Reise», sagte Petersen bei den Dreharbeiten in Hollywood. Das Drama wurde in riesigen Wassertanks inszeniert. Tiefgang versprach sich der 65-Jährige von den Charakteren, «Menschen, wie du und ich», die erst irgendwo im Atlantik fröhlich Sylvester feiern und dann plötzlich um ihr Leben kämpfen.

    Gerade 20 Minuten hat man Zeit, sie kennen zu lernen: Den galanten Glücksspieler Dylan (Josh Lucas), den strengen Vater Robert (Kurt Russell), seine jung verliebte Tochter Jennifer (Emmy Rossum), die verwitwete Mutter Maggie (Jacinda Barrett) mit Söhnchen Conor (Jimmy Bennett), die blinde Passagierin Elena (Mia Maestro), den schwulen Architekten Richard (Richard Dreyfuss), der sich aus Liebeskummer gerade das Leben nehmen wollte, als die riesige Welle anrollt.

    Dann schlagen die Experten für Spezialeffekte zu: Eine 50 Meter hohe Wasserwand bringt den Ozeanriesen zum Kentern, stellt den Ballsaal auf den Kopf und macht den Schiffsrumpf zum Schlachtfeld. Der rettende Weg führt nach oben, über brennende Abgründe, durch enge Schächte und überflutete Gänge. Keine Zeit für große Worte, und das ist gut so, denn das Drehbuch setzt auf Adrenalin und nicht auf kluge Dialoge. «Fortlaufende Action» sei der große Vorzug von «Poseidon», lobte die «New York Times» vor dem US-Kinostart im Mai. Doch die meisten Kritiker vermissten Tiefgang und prophezeiten Schiffbruch an den Kinokassen.

    Tatsächlich ging der für 150 Millionen Dollar (117 Millionen Euro) gedrehte Katastrophenfilm in Amerika neben dem «Da Vinci Code» und «Mission: Impossible III» unter. Bis jetzt spielte «Poseidon» in den USA weniger als 60 Millionen Dollar ein. Sein Vorgänger, «Die Höllenfahrt der Poseidon», hatte 1972 noch riesige Wogen geschlagen. Dem für seine Spezialeffekte Oscar-prämierten Streifen mit der Starbesetzung Gene Hackman, Ernest Borgnine und Shelley Winters, folgte gleich eine Serie von Action-Spektakeln, darunter «Flammendes Inferno» und «Erdbeben».

    An einer Neuauflage des heute recht kitschig wirkenden Originals mit den gleichen Figuren war Petersen nicht interessiert. Er wollte kein «Remake», sondern etwas Neues drehen, sagte der Regisseur. Den amerikanischen Kritiker-Papst Roger Ebert von der Chicago Sun-Times konnte er nur halb überzeugen: «Petersen war nicht mit ganzem Herzen bei der Sache. Er ist viel zu klug, um die Story als erstklassiges Material anzusehen, und er ist einfach ein zu guter Regisseur, um daraus unterhaltsamen Müll zu machen».

    Nach dem Historien-Drama «Troja» habe er mit den Action-Szenen von «Poseidon» richtig Spaß gehabt. Das war «Kino pur», freute sich Petersen am Ende der Dreharbeiten. Diesen Film könne man ruhig in die Sparte «Popcorn-Vergnügen» stecken.

    Barbara Munker, dpa

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