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  • Kritik: Mörderisch gut und gnadenlos sexy

    So unterhaltsam war Zynismus noch nie. Und nur selten waren Mörderinnen in einem Film so sexy und so siegreich wie Renée Zellweger und Catherine Zeta-Jones in "Chicago", der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft.

    Gesetze sind dazu da, gebrochen zu werden, wie die beiden langbeinigen Schönheiten vormachen. Und ein Untersuchungsgefängnis ist nichts anderes als eine Bühne, auf der man sich mit Hilfe eines korrupten Anwalts (Richard Gere) in die Freiheit und zum Ruhm tanzt. Wahrscheinlich gar zum großen Sieg in der Oscar-Nacht. Das lassen die 13 Nominierungen der US-Filmakademie für die von Kritikern einhellig gelobte Kinoversion des Broadway-Musicals zumindest heute schon ahnen.

    Metropole der Nachtclubs, Whiskey-Schmuggler und Gamaschen-Gangster

    Jazz ist die angesagte Musik im Chicago der 20er Jahre, in der Metropole der Nachtclubs und der Whiskey-Schmuggler, der Gamaschen- Gangster und ihrer schmierigen Anwälte. Gesetze sind dazu da, gebrochen zu werden, wie die beiden langbeinigen Schönheiten vormachen. Die Stars der Nächte sind die Jazz-Tänzer und -Sänger, vor allem die weiblichen. Fast jeden Tag berichtet die Zeitungen über sie. Am liebsten über ihre Affären und am allerliebsten über ihr Straucheln im Chicagoer Dschungel, wo Jazz und Verbrechen so dicht beieinander liegen.

    Kriminalreporterin schrieb über Kriminalfälle der "Roaring Twenties"

    Wahrscheinlich hätte es das Musical, das Bob Fosse 1975 auf die Bühne brachte, ebenso wenig gegeben wie den Film, den Regisseur Rob Marshall in berauschenden Bildern perfekt inszenierte - wäre da nicht Maurine Dallas Watkins gewesen. Als Kriminalreporterin der "Chicago Tribune" hatte sie in den "Roaring Twenties" über zwei bemerkenswerte Mordfälle berichtet, die sie später zu einem Theaterstück verarbeitete. Musical und Filmversion beruhen darauf.

    Und alle haben irgendwie aus Leidenschaft gemordet

    Eine junge blonde Frau namens Roxie Hart (Zellweger) bringt ihren Liebhaber um. Der Schuft hatte Roxie nur vorgegaukelt, dass er sie zum Jazz-Musical-Star machen würde. Die andere Mörderin ist bereits ein angehimmelter Vamp. Velma Kelley (Zeta-Jones) erschoss ihren Ehemann und ihre Schwester, als sie die beiden im Bett erwischte. Im Knast begegnen sich nicht nur Roxie und Velma, sondern jede Menge anderer Frauen, die alle irgendwie aus Leidenschaft gemordet haben.

    Bei Zeta-Jones vergeht den Zuschauern Hören und Sehen

    Eine der stärksten Musical-Nummern ist der "Cell Block Tango", mit dem die Mörderinnen ihre Taten so ironisch-unschuldig schildern, dass in US-Kinos das Publikum in Beifallsstürme ausbrach. Die schärfste ist ohne Zweifel Zeta-Jones' Eröffnungsauftritt "All That Jazz". Sie schmeißt die Beine und zischt das Z in Jazz, dass den Zuschauern Hören und Sehen vergeht.

    Gere pfeift auf Recht, Gesetz und Moral

    Was die Frauen in der Mörderinnen-Abteilung vereint, ist die Hoffnung auf die Qualitäten von Billy Flynn. Richard Gere spielt den korrupten Anwalt, der auf Recht, Gesetz und Moral pfeift und noch nie einen Prozess verloren hat. Gere kann Zellweger und Zeta-Jones allerdings als Sänger und Tänzer nicht ganz das Wasser reichen.

    Bei den Oscar-Nominierungen ging er leer aus. Zellweger ist für die 75. Oscar-Vergabe am 23. März als beste Schauspielerin nominiert. Zeta- Jones und Queen Latifa - umwerfend als ebenso korpulente wie korrupte "Mama" Gefängniswärterin - und John C. Reilly als dumpfer und gehörnter Gatte von Roxie Hart erhielten Nominierungen als beste Nebendarsteller.

    Die Musicals kommen wieder

    Alle zusammen haben dafür gesorgt, dass einmal wieder ein Musical den Oscar-Hauptpreis gewinnen könnte. Im vergangenen Jahr war "Moulin Rouge" in dieser Kategorie übergangen worden. Zuletzt hatte 1968 das Musical "Oliver" den Oscar für den besten Film des Jahres gewonnen. Die 60er Jahre waren mit Siegen für "West Side Story", "My Fair Lady" und "The Sound of Music" das Jahrzehnt der Musicals. "Chicago" kommt nach Ansicht von US-Filmkritikern auch entgegen, dass dem Kino- Publikum in einer Zeit der angeheizten Irak-Kriegsrhetorik eher nach leichterer Unterhaltung als nach ernsten Stoffen zu Mute ist. Auch das ist wohl eine Form von Zynismus.

    Thomas Burmeister, dpa

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