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  • Kritik: Modernes Märchen über eine außergewöhnliche Liebe

    Es dauert lange, bis sich Lilly und Jakob finden. Sehr lange. Ständig laufen die beiden aneinander vorbei: im Regen auf einem matschigen Parkplatz, auf dem Bahnhof, im blühenden Rapsfeld. Mit ausgestreckten Armen tasten sie sich voran, lauschen auf die Geräusche um sich herum, machen selbst Geräusche, um sich zurechtzufinden.

    Lilly und Jakob sind kein gewöhnliches Liebespaar: Beide sind blind, aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Ihre außergewöhnliche Reise quer durch Europa und zueinander erzählt Regisseur Lars Büchel («Jetzt oder nie - Zeit ist Geld») in seinem zweiten Kinofilm "Erbsen auf halb 6".

    Skurrile Begegnungen mit liebenswerten Menschen

    Jakob (Hilmir Snaer Gudnason), ein erfolgreicher Theaterregisseur, verliert bei einem Autounfall sein Augenlicht - und damit auch jegliche Lebensperspektive. Lilly (Fritzi Haberlandt), von Geburt an blind und seine Lehrerin, will ihm seinen Lebensmut zurückgeben. Doch Jakob wehrt sich, zu groß ist sein Verlust. Das Einzige, was ihn noch am Leben hält, ist ein Besuch bei seiner todkranken Mutter. Doch die wohnt weit weg in Russland. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg durch mecklenburgische Dörfer über die Ostsee bis in die russische Einöde. Lilly zunächst unfreiwillig, doch im Laufe ihrer ungewöhnlichen Reise mit zahlreichen skurrilen Begegnungen mit liebenswerten Menschen kommen sich die beiden näher.

    Nach dem Erfolg seines Kinodebüts «Jetzt oder nie - Zeit ist Geld» über ein verrücktes Rentnerinnen-Trio ist Regisseur Lars Büchel mit «Erbsen auf halb 6» ein poetischer Film mit bezaubernden Bildern gelungen. Durch die Blindheit seiner Protagonisten tritt alles, was sonst wichtig erscheint, in den Hintergrund. Sensibel entführt Büchel die Zuschauer mit optischen und akustischen Mitteln in die Welt der Nicht-Sehenden. «Ich will nicht um jeden Preis eigenwillig sein», sagt Büchel. «Aber ich will berührt werden und berühren, weil es im Kino um Emotionen geht. Und ich glaube daran, dass das Publikum mit eigenwilligen Geschichten verzaubert werden möchte.»

    Authentizität und Wärme

    Die vielfach ausgezeichnete Nachwuchs-Schauspielerin Fritzi Haberlandt («Kalt ist der Abendhauch») und der isländische Shooting- Star Hilmir Snaer Gudnason («101 Reykjavik», «Blueprint») verleihen dem Film Authentizität und Wärme. Beiden Schauspielern nimmt man die Blindheit sofort ab, obwohl «es total schwer war, mit offenen Augen das Blindsein zu spielen», wie Fritzi Haberlandt gesteht. Mit einem Blindentrainer und mit Hilfe der Ausstellung «Dialog im Dunkeln», die sehenden Menschen die Welt der Blinden näher bringt, hat sich die 28- Jährige vorbereitet.

    In der russischen Steppe geraten beide in skurrile Situationen: Einen taubstummen Küster halten sie für einen Elch, in einem verlassenen Dorf klopfen sie an Türen, um nach dem Weg zu fragen. Doch schließlich erreichen sie ihr Ziel, auch ohne fremde Hilfe. Trotzdem trennen sie sich, Jakob will Lilly, die verlobt ist, nicht im Weg stehen. Am Ende feiert die Dorfgemeinschaft ein ausgelassenes Fest. Als es zu regnen anfängt, stürzen alle ins Haus. Nur Jakob und Lilly nicht: Für sie bedeutet der Regen die einmalige Chance, sich wiederzufinden. Denn jeder Regentropfen, der aufgefangen wird, bildet eine Geräuschkulisse.

    dpa

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