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  • Kritik: Modernes Märchen aus der Welt der Maori

    Die Erde ist leer und langweilt sich, sie weint und wartet auf einen Erlöser. Der kommt auf dem Meeresweg: ein Walreiter, der die Erde mit neuem Leben erfüllen wird. So stellen sich die Einheimischen an der Ostküste Neuseelands den Anbeginn ihrer Kultur vor. Der Maori-Mythos spielt eine zentrale Rolle in "Whale Rider", dem zweiten Kinofilm der jungen neuseeländischen Regisseurin Niki Caro, die damit zugleich den Initiations- und Emanzipationsprozess eines jungen Mädchens schildert. Entstanden ist ein ethnologisch interessantes, zeitgenössisches Märchen, das auf Festivals viele Publikumspreise erhalten hat.

    Das Drehbuch geht auf den gleichnamigen Roman des Neuseeländers Witi Ihimaera aus den 80er Jahren zurück. Seine Töchter hätten ihn gefragt, warum bei Actionfilmen immer nur Jungen die Helden sein dürften, sagt der Autor. Daher habe er sein Werk um das zwölfjährige Maori-Mädchen Pai geschrieben, das entgegen den Vorstellungen seines konservativen Häuptling-Großvaters seine Bestimmung darin findet, die neue Anführerin zu werden und sein Dorf in eine bessere Zukunft zu führen. Dabei entwickelt Pai Kraft, Mut und Verstand, gemäß dem Maori-Führungsmotto "Wer den Zahn eines Wales hat, muss auch den Kiefer eines Wales haben." Sie entdeckt an sich sogar die Gabe, die riesigen Meeressäugetiere zu beeinflussen - wie überhaupt viel Übernatürliches Anteil am Geschehen hat.

    Weite Landschaften und dicht an den Menschen

    Der Film erzählt diese Geschichte knapp zwei Stunden lang bedächtig, gern schweift die Kamera in malerischen Totalen über blauen Himmel, flaschengrünes Meer und wildes, weites Land. Im Kontrast dazu ist sie an den Menschen, zu denen auch die wirklichen Bewohner des Original-Ortes Whangara gehören, zum Teil extrem dicht dran. Auf diese Weise unterstreicht die Geschichte den universell- menschlichen Aspekt der Maori-Handlung.

    Immer wieder, und gerade das macht Whale Rider sehenswert, vermittelt Niki Caro Bilder aus der bedrohten Kultur der Menschen, die im 14. Jahrhundert aus Polynesien eingewandert waren: Holzschnitz-Arbeiten wie eine archaisch wirkende Walreiter-Skulptur und ein reich verziertes Boot, Körperbemalungen, Tänze, gesungene Begrüßungszeremonien. Durch die angenehm schlichte Filmsprache wirkt all das weder wie aufgesetztes Beiwerk noch wird es zur larmoyanten Anklage gegen die realistisch ärmlich gezeichneten Lebensumstände der Maori von heute.

    Gute Hand beim Casting

    Mit sicherer Hand wählte man auch die Darsteller aus: Rawiri Paratene (Großvater Koro) und Vicky Haughton (Großmutter Flowers) sind wettergegerbte Charaktertypen und gehören zu Neuseelands beliebten Mimen. Die hübsch-herbe Keisha Castle-Hughes als kleine Protagonistin Pai hingegen war das Ergebnis eines Castings unter 10.000 Schülern des Landes und erfüllt die Vorgabe der Regisseurin, ein besonderes Kind zu sein: eine natürlich und authentisch wirkende junge Person mit Charisma und der Fähigkeit zu eindringlichem Spiel.

    Ulrike Cordes, dpa

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