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  • Kritik: "Mitternacht im Garten von Gut und Böse": Sittengemälde der Südstaaten

    Mord ist gut fürs Geschäft. Vorausgesetzt, die Tat ist mysteriös und berührt ein zwielichtiges Milieu. Und ein Reporter ist zur Stelle, der die ganze ungeklärte Wirklichkeit in eine hübsche Geschichte verpackt. 1994 hat der New Yorker Journalist John Berendt ein Buch über einen Mordfall in Savannah veröffentlicht. Seither ist der Fremdenverkehr in der amerikanischen Südstaatenstadt um 46 Prozent gestiegen. Jetzt dürfte der Tourismus einen erneuten Auftrieb bekommen: Clint Eastwood hat den Bestseller "Midnight in the Garden of Good and Evil" (Mitternacht im Garten von Gut und Böse) verfilmt.

    "Mich haben vor allem all die exzentrischen Personen gereizt, die Berendt beschrieben hat", sagt der 67jährige Regisseur und Schauspieler. Der ehemalige Haudegen vom Dienst hat mit dem Film "Brücken am Fluß" bereits seine weiche Seite gezeigt. Nun versucht sich der Western- und Krimiheld a.D. als Zeichner eines Sittengemäldes der Südstaatengesellschaft.

    Sicherheitshalber hält sich Eastwood ziemlich genau an Berendts Bestseller. Nur den New Yorker Journalisten, der im Buch eine körperlose Stimme hat, läßt er in der Gestalt von John Cusack nach Savannah reisen. Als John Kelso geht Cusack mit großen Augen durch die Stadt, deren absonderliche Einwohner imaginäre Hunde spazieren führen und mit geladenen Revolvern zu Partys gehen.

    Kelso wird von dem neureichen Antiquitätenhändler Jim Williams (Kevin Spacey) eingeladen, einen Artikel über dessen Weihnachtsempfang zu schreiben. Nach dem Fest erschießt Williams, angeblich in Notwehr, seinen jungen Angestellten und Liebhaber Billy Hanson (Jude Law). Die allgemein bekannte, aber nicht offen gelebte Homosexualität des mutmaßlichen Mörders wird während des Gerichtsverfahrens zum Hauptthema.

    "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" ist kein Film über Homosexualität, betont Eastwood. Vielmehr sei es ihm darum gegangen zu zeigen, daß unterschiedliche Menschen in Frieden miteinander leben können. Das Plädoyer für mehr Toleranz hält "Lady Chablis", eine Drag queen aus Savannah, die sich im Film selbst spielt. Im Zeugenstand darf Chablis erklären, warum er als Mann lieber Kleider anzieht.

    Zu Savannahs exzentrischen Einwohner gehört auch die Vodoo- Priesterin Minerva, die um Mitternacht auf dem Friedhof die Toten beschwört. In diesem "Garten von Gut und Böse" wird letztlich der Gerechtigkeit Genüge getan, während im Gerichtssaal gewiefte Anwälte das Recht auf ihre Seite bringen.

    Am Ende schenkt Jim Williams dem neugierigen Reporter aus dem Norden ein Gemälde, das augenscheinlich übermalt worden ist. Williams hat es nicht röntgen lassen, um das Geheimnis des Bildes zu wahren. Auch Clint Eastwood bleibt mit seinem Sittengemälde lieber an der Oberfläche - die Gesellschaft wird nicht durchleuchtet, sondern vorgeführt. Tourismus im Kino: Welcome to Savannah.

    Camille Brion, dpa

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