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  • Kritik: Mit zeitlos aktuellem Biss

    Der Krieg, von dem hier erzählt wird, ist zehn Jahre her, doch die bosnische Satire "No Man's Land" hat zeitlos aktuellen Biss.

    Obwohl er 2002 den Oscar für den besten Auslandsfilm erhielt und im Jahr zuvor schon beim Festival in Cannes gefeiert wurde, musste der bosnische Regisseur Danis Tanovic lange warten, bis sein Film auch in Deutschland anläuft. Doch vielleicht bringt ihm der Zeitpunkt inmitten der hitzigen Diskussionen vor der drohenden Irak- Invasion der USA auch das Publikum, das er mit Sicherheit verdient.

    Absurder Kleinkrieg Mann gegen Mann im Niemandsland

    In der Sprache von Militärs und Nachrichtensendungen wäre es ein ganz alltäglicher "Zwischenfall" an der Front, von dem Tanovic mit trockenem, beinahe zynischem Humor erzählt. Eine kleine Gruppe bosnischer Soldaten verirrt sich 1993 in dichtem Nebel zwischen den feindlichen Linien. Ein einziger Mann überlebt das Kreuzfeuer der Serben und findet sich in einem Schützengraben wieder. Er tötet einen Serben und kämpft mit dessen verwundetem Patrouillengenossen um die Vorherrschaft im Graben.

    Ein absurder Kleinkrieg Mann gegen Mann im Niemandsland bricht aus. Während Hass und Misstrauen eine Lösung verhindern, liegt die ganze Zeit ein dritter Bosnier in Todesangst auf einer Miene, die ihn bei der geringsten Regung zerfetzen wird. Doch Hass und tief sitzendes Misstrauen verhindern eine Lösung.

    "Zwischenfall" stösst Konfliktbewältigungs-Maschinerie an

    Tanovic treibt die Groteske dieses Kammerspiels auf die Spitze und bringt den Wahnsinn des Krieges auf den Punkt. Die Männer im Graben nehmen Kontakt zu ihren Truppen auf. Der "Zwischenfall" wird zum Problem der militärisch-medialen Konfliktbewältigungs-Maschinerie: Französische UNO-Solaten versuchen zu helfen, Blauhelm-Generäle belügen die Medien, deutsche Minenräumkommandos erscheinen pünktlich vor Ort, und internationale Kriegsberichterstatter mit Kamerateam wittern eine neue Story. Doch sie bewegen nichts, gar nichts. Am Ende rücken sie wieder ab: Der Serbe und der Bosnier sind tot. Und der Mann auf der Miene bleibt hilflos und verlassen in der Sonne liegen.

    "In der Seele trägt jeder einen Schaden davon"

    "No Man's Land" zeige "mit Pfiff und Humor die Absurdität der Gewalt zwischen den Völkern", sagte EU-Kulturkommissarin Viviane Reding bei der Zuerkennung des EU-Medienpreises 2002 an Tanovic, der seinen Film auch bei der Berlinale anlässlich der UNICEF-Friedensgala Cinema for Peace zeigen konnte. Der Regisseur sagte in Berlin: "Jeder, der irgendwann auch nur bruchstückhaft einen Krieg erlebt, wird diese Absurdität spüren. Am Ende gewöhnt man sich an Unmenschlichkeiten, aber in der Seele trägt jeder einen Schaden davon. Die Wurzeln des Krieges liegen nicht zuletzt in der Angst vor dem anderen. Um die zu bekämpfen, gehen sogar zivilisierte Menschen aufeinander los."

    Karin Zintz, dpa

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