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  • Kritik: Mit Musik und modischem Schmuddelchic

    Mit hartem Realismus spiegelt "The Acid House" das Leben auf den unteren Sprossen der sozialen Leiter Großbritanniens. "Trainspotting"-Autor Irvine Welsh schrieb die Kurzgeschichten, die Regisseur Paul McGuigan in seinem Spielfilmdebüt verfilmte. Angereichert mit angesagter Musik und modischem Schmuddelchic sollen die Erzählungen vom 3. Juni an das junge Publikum ins Kino ziehen.

    Drei Stories seiner Kurzgeschichtensammlung "The Acid House" stellt Irvine Welsh in seinem ersten Drehbuch nebeneinander: "A Granton Star Cause", "A Soft Touch" und die titelgebende "The Acid House". Den schwärzesten Tag im Leben von Boab (Stephen McCole) schildert der erste Teil - mit ebensolchem Humor. Der Loser fliegt aus seiner heißgeliebten Granton-Star-Fußballmannschaft. Am Boden zerstört kommt er nach Hause, wo ihn sein Vater darüber informiert, daß seine Eltern ihn nicht mehr länger in ihrem Haus dulden. Zu allem Überfluß schickt ihn seine Freundin in die Wüste. Beim Saufen in einer Kneipe macht ihm dann auch noch ein Mann, der sich ihm als Gott vorstellt, Vorhaltungen und verwandelt ihn in eine Fliege. In dieser Daseinsform findet er reichlich Gelegenheit, sich an seinen Mitmenschen zu rächen, was McGuigan auf widerlich-eklige Weise in Szene setzte.

    "A Soft Touch" beginnt mit einer Hochzeit. Die Braut ist hochschwanger und der Bräutigam weiß, daß eine ganze Reihe der anwesenden männlichen Gäste als Vater in Frage kommen. Johnny (Kevin McKidd) hofft trotzdem, seine neugegründete kleine Familie könne eine Art heile Welt inmitten des Elends der Sozialbausiedlung werden. Seine Frau Catriona dagegen will Spaß. Und so kommt es, daß Nachbar Larry sich schon bald sowohl das Dosenbier als auch die Frau des gutmütigen Johnny unter den Nagel reißt. Dessen endlose Duldsamkeit mitanzusehen, ist ein bitteres und qualvolles Kinoerlebnis.

    Der dritte Teil schließlich nimmt den Zuschauer mit auf einen LSD-Trip, bietet also die Gelegenheit, einmal den Rausch kennenzulernen, ohne sich den Gefahren auszusetzen. Coco (Ewen Bremner) wirft einen Trip zuviel, landet im Krankenhaus und tauscht dort mit einem Neugeborenen den Körper. Mit den Gedanken eines erwachsenen Mannes hängt er dann an der Brust seiner neuen Mutter, die ihr Baby für etwas ganz Besonderes hält, als Coco auch noch anfängt zu sprechen.

    Mit den satten Farben, den interessanten stilisierten Bildmontagen und einem Soundtrack von Oasis bis The Verve, peilt die britische Produktion ein junges Publikum an. In dem Wissen, daß Moralisieren über soziale Brennpunkte und Drogen fehl am Platz wäre, behilft sich der Film in "Trainspotting"-Manier mit der kraftvollen direkten Energie von Absurdität, Rohheit und Boshaftigkeit. McGuigan liefert in "The Acid House" authentisch trostlose Innen- und Außenansichten explosiver sozialer Tatbestände, reicht mit der stimmigen Atmosphäre in seiner Wirkung über das Verstören und die Anteilnahme jedoch nicht hinaus.

    Silke Weiss, dpa

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