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  • Kritik: Mit Herz und Witz

    «Sie sind ein schöner Mann!» Wie oft hat der verwitwete Franzose Aymé diesen Satz nicht schon gehört, als er in Rumänien über eine Heiratsvermittlerin eine Frau sucht.

    Doch der glatzköpfige Landwirt ist Realist ohne Sinn für Schmeicheleien. Er erwartet von seiner Zukünftigen weder Liebe noch heißen Sex, sondern nur harte Arbeit auf dem Hof. Elena erscheint ihm genau die Richtige zu sein - kerngesund und kräftig will die junge Rumänin im Westen nichts anderes, als Geld verdienen für ein besseres Leben in ihrer armen Heimat. Doch Gefühle sind nicht planbar. Einfühlsam und komisch zeigt der Film «Sie sind ein schöner Mann» mit Michel Blanc und der Neuentdeckung Medeea Marinescu in den Hauptrollen, dass man selbst unter diesen Umständen und trotz vieler Hindernisse seine große Liebe finden kann.

    In Frankreich avancierte das Regiedebüt der Schauspielerin Isabelle Mergault («Gemischtes Doppel») zum unerwarteten Publikumserfolg. Jenseits von TV-Doku-Soaps wie «Bauer sucht Frau» vereint der Streifen mit den liebevoll gezeichneten Charakteren französische Leichtigkeit mit trockenem Humor und Romantik. Komisch sind vor allem Aymés Versuche, seine Fahrt nach Rumänien geheim zu halten. Seinen Freunden erzählt er, dass er nach Hannover zu einer Landwirtschaftsausstellung fährt. Als sie ihn bitten, Fotos, Würste und Sauerkraut mitzubringen, gerät er in arge Bedrängnis. Verzweifelt sucht er in Bukarest nach deutschen Souvenirs und schießt Schnappschüsse von Schäferhunden und Plakatwänden, die für deutsche Autos werben.

    Als Mergault die Rolle des mürrischen und polternden Aymé schrieb, hatte sie bereits Michelle Blanc («Die Verlobung des Monsieur Hire») als Idealbesetzung vor Augen. Die Elena-Darstellerin entdeckte sie erst bei einem großen Casting. «Medeea Marinescu war die einzige, die kein Wort französisch sprach. Sie hat den Text phonetisch auswendig gelernt und vorgespielt», sagt Mergault. «Ohne die Sprache zu beherrschen, schaffte sie es, rührend und komisch zugleich zu sein.» Auch mit der Landwirtschaft musste sich die 32-Jährige erst vertraut machen. «Bei diesem Dreh habe ich zum ersten Mal den Fuß in einen Hühnerstall gesteckt«, bekennt Marinescu.

    Im Film merkt man Elena diese Scheu nicht an. Beherzt packt sie an, was ihr Aymé aufträgt. Doch bald macht sich eine unterschwellige Traurigkeit breit, die dadurch verstärkt wird, dass Aymé sie als reines Arbeitstier behandelt. Heimlich schleicht sich Elena davon, um ihre sechsjährige Tochter anzurufen, die in Rumänien sehnsüchtig auf ihre Mutter wartet. Doch durch die harte Schale von Aymé dringt plötzlich das Gefühl, dass sich mit Elena viel verändert hat auf dem Hof. Ist es der duftende Wiesenblumenstrauß oder eher die hübsche Rumänin selbst, die in ihrem luftigen Sommerkleid schon allen jungen Männer des Dorfes den Kopf verdreht hat? Aymé kann es nicht so recht sagen und als er es endlich bemerkt, ist es fast schon zu spät.

    Von Cordula Dieckmann, dpa

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