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  • Kritik: Mit "Fargo" ist den Brüdern Coen ein Meisterwerk geglückt

    Frankfurt/M (AP) Das winterliche Minnesota scheint kein Ort zu sein, wo das Verbrechen lauert. Der Schnee auf den Weiten der Felder symbolisiert ebenso Unschuld wie die schlichten Gesichter der Menschen in diesem verschlafensten Teil des Mittleren Westens der USA. Doch als das Blut aus dem zerschossenen Kiefer des Gangsters Carl Showalter (Steve Buscemi) rote Tupfer in das endlose Weiß malt, ist klar: Das Böse ist auch hier, und es taucht gerne dort auf, wo man es am wenigstens erwartet.

    "Fargo", der neue Film von Joel and Ethan Coen ist ein virtuoses Spiel mit dem trügerischen Schein der Realität, ein meisterhafter Thriller voll grotesker Gewalt und düsterer Komik, bis in die Nebenrollen brillant besetzt. Gleich zu Beginn führen die beiden Brüder, die schon mit "Barton Fink" und "Millers Crossing" für Aufsehen gesorgt hatten, die Zuschauer in die Irre. Eine wahre Begebenheit liege dem Film zugrunde, heißt es im Vorspann - eine Behauptung, die so falsch ist wie das Lächeln von Autohändler Jerry Lundegaart (William Macy).

    Lundegaardt ist ein nervöser, mitleiderregender Versager, der in der Firma des Stiefvaters knechtet und nur einen Ausweg aus seinem Schuldenloch sieht: Er heuert zwei Gangster an, die seine Frau entführen und vom reichen Vater ein sattes Lösegeld erpressen sollen. Natürlich geht der Plan schief und bald liegen drei Leichen im Schnee.

    Die Ermittlungen übernimmt Polizeichefin Marge Gunderson (Frances McDormand), die sich bei der Besichtigung des Tatorts beinahe übergeben muß - nicht, weil sie der Anblick der Toten so erschüttert, sondern weil sie hochschwanger ist. Marge ist die eigentliche Heldin des Films, eine Provinzpolizistin, deren Schlichtheit trügerisch ist und die am Ende mit stoischer Ruhe und gesundem Menschenverstand die Mörder zur Strecke bringt. Die einfache, kluge Frau ist eine der großen Figuren des zeitgenössischen Kinos.

    Der Kontrast zwischen Marges gelassener Bodenständigkeit und der nervösen Brutalität der beiden Entführer macht einen Großteil der Anziehungskraft des Films aus. Steve Buscemi brilliert in der Rolle des zappeligen Showalter und die unterkühlte Spielweise von Peter Stormare gibt dem psychopathischen Komplizen Gaear Grimsrud eine unheimliche Präsenz. Ebenso blendend ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Kameraführung: Oft strahlt die Leinwand in unbarmherzigem Weiß, nur ein Auto oder ein Zaunpfahl bieten dem Auge für einen Moment Erholung.

    Dennoch ist in all der winterlichen Kälte so etwas wie Wärme zu spüren. Das gilt vor allem für das stille Eheglück von Marge und ihrem Mann Norm, der ihr in aller Herrgottsfrühe das Frühstück macht und ihr am Mittag die Butterbrote aufs Revier bringt. Das sind komische Szenen, die die Figuren trotzdem nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Die Coens, in Minnesota aufgewachsen, porträtieren die Menschen in ihrer Heimat mit ihren Sonderheiten, ohne sie vorzuführen.

    Wie in "Blood Simple", dem Erstling der Brüder, so ist auch in "Fargo" Gewalt ein zentrales Motiv. Vieles ist jedoch ins Absurde übersteigert: In einer Einstellung versucht Grimsrud verzweifelt, eine Leiche stückweise im Holzschredder zu zerkleinern. Die groteske Komik erreicht ihre Höhepunkte in Szenen, die mit dem eigentlichen Hauptstrang der Erzählung überhaupt nichts zu tun haben, etwa wenn ein ehemaliger High-School-Freund vergeblich versucht, Marge mit einer hanebüchenen Geschichte über seine verstorbene Frau ins Bett zu bekommen.

    Der Film entläßt den Zuschauer mit dem befriedigenden Gefühl, ein kleines Meisterwerk gesehen zu haben. Ein Krimi, der das Genre neu belebt - hochgradig unterhaltend und doch weit mehr als reine Unterhaltung.

    Von AP-Korrespondent Ralf Neukirch

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