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  • Kritik: Mit der Kamera der Jugend auf der Spur

    Unter Egoshooter versteht man im Jargon der Computerspieler einen Einzelkämpfer, der sich hemmungslos durch die virtuelle Welt ballert. Er ist das andere Ich des Spielers und sein unmittelbares Identifikationsobjekt.

    In dem gleichnamigen Debütspielfilm von Christian Becker und Oliver Schwabe ersetzt eine Videokamera auf gewisse Weise die Waffe aus dem Computerspiel. Der Blick des Zuschauers deckt sich dabei über weite Strecken mit dem des Protagonisten. Und so gerät man auf intime Weise mitten in dessen wenig aufregendes Leben hinein - das Unspektakuläre ist dabei das Besondere. Das Werk ist das Porträt eines orientierungslosen Jugendlichen, der eigentlich vor Leere flüchtet und sich dabei zunehmend in der Isolation verliert.

    «Sachen kommen und gehen. Ich werde versuchen, so viel wie möglich festzuhalten», lautet das Credo des 19-jährigen Jakob (Tom Schilling). Mit seiner digitalen Kamera macht er sich zum Beobachter seines eigenen Lebens. Dabei richtet Jakob die Kamera zeitweise auf sich und dokumentiert - eine Art Videotagebuch - schlaflose Nächte, Sex oder Spaziergänge durch die Kölner Innenstadt. In anderen Szenen sieht der Zuschauer Jakob und seine Freunde beim Rappen, beim Abhängen, beim Küssen oder Graffiti sprühen.

    Der Film in Koproduktion mit dem WDR und unter der Schirmherrschaft des Produzenten Wim Wenders gehört zur «radikal digital»-Reihe der Reverse Angle Factory, die junge Filmemacher dabei unterstützt, mit Digitalkameras ihre ersten Spielfilme zu drehen. Die Grundlage zum Film lieferten reale Videotagebücher, die Schwabe von Jugendlichen erstellen ließ. Das nun vorliegende fiktive Abbild erreicht sein Ziel, möglichst nah an der Lebensrealität der porträtierten Jugendlichen zu bleiben, durch eine Mischung aus Spielfilm- und Dokumentarfilm-Elementen.

    Gesprochen wird nicht viel. Alles ist Alltag: normal, gewöhnlich, stagnierend. Nicht nur inhaltlich, auch in seiner filmischen Umsetzung arbeitet der Film mit einer konsequent realistischen Sprache. Die Kamera wackelt amateurhaft, die Darstellungen bleiben fragmentarisch, gewinnen so an Echtheit. «Wir wollten uns diesen Jugendlichen annähern, eine Zustandsbeschreibung schaffen», sagen die Nachwuchsregisseure, die beide Absolventen der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) sind. «Es war uns wichtig, den Stil und die Atmosphäre der dokumentarischen Videotagebücher beizubehalten», betont Becker.

    Mit seiner unspektakulären Darstellung des Alltäglichen erinnert der nur latent kritische Film an «Ken Park», ohne dessen resignative Stimmung zu übernehmen. Star des Ganzen ist Jungtalent Tom Schilling («Crazy»), der den Film durch sein begabtes Improvisationsspiel trägt.

    dpa

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