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  • Kritik: Mit der Bibel gegen den Zeitgeist

    Als Taschenspieler und Zauberkünstler hat sich der Maler und Konzept-Künstler Peter Gersina einmal bezeichnet. Dazu passt, dass der in München lebende Österreicher (40) eine Kitsch- Sammlung auf Wanderschau geschickt hat und auch schon mal Ärzte, Psychologen und Kunsthistoriker im Krankenwagen ausrücken ließ, um frustrierte Ausstellungsbesucher mit Hühneraugen-Pflastern und Gesprächstherapie behandeln zu lassen. Diese Art von Performance nannte er "First Aid For Bad Art", erste Hilfe für schlechte Kunst.

    Nun legt Gersina seine erste Arbeit als Filmregisseur vor, und es ist eigentlich kein Wunder, dass "Vienna" zur ebenso schrägen wie tiefgründigen Komödie geriet. Kino-Gespür hat Gersina bereits 1997 mit dem Drehbuch für die Erfolgskomödie "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" gezeigt. "Vienna", ein herrlich skurriler Kunstfilm um Liebe, Tod und Teufel mit charismatischen Darstellern wird wohl leider kein Massenpublikum erreichen. Für Kinobesucher mit Sinn für Doppelbödigkeiten ist er jedoch ein Fest.

    Mit dem Totengräber kommt das Leben

    Der in der österreichischen Hauptstadt angesiedelte Streifen handelt von einem blinden Kunsthistoriker (Axel Milberg) und einem verkommenen früheren Jazz-Genie (Max Tidof), die erst durch die Begegnung mit einem arbeitslosen Totengräber vom Zentralfriedhof wieder zu wahrem Leben erweckt werden.

    Roman Knizka ("Vergiss Amerika") spielt diesen weltfremden Ludwig mit kindlich-sympathischem Hans-im-Glück-Gesicht: Er ist der reine Tor, der allein, wie in Märchen und Mythen, die Welt erlösen kann. Dass er bei dieser Gelegenheit nicht nur die wahre Liebe, sondern auch den handfesten Sex entdeckt und am Ende für seine Ziele sogar den Teufel einspannt, gehört zu den bezaubernden Unverfrorenheiten, mit denen Gersina sein Publikum foppt.

    "Ich will Energie und Mut vermitteln"

    "Ich möchte dem einzelnen Menschen Lust, Energie und Mut vermitteln, sein Leben kreativer und positiver als bisher zu gestalten", sagte der Regisseur und Autor. "Film ist demokratisch und gibt mir eine riesige Palette an Möglichkeiten von der Farbe bis zur Musik, meine Geschichten zu erzählen", begründete Gersina ("von Beruf bin ich Mensch") die Wahl des Mediums.

    Abgedreht und weise zugleich

    In "Vienna" schuf er ein modernes Kunstmärchen, das ironisch auf die wesentlichen Werte des Lebens verweist. Sogar der Tod verliert da seinen Schrecken. Der Trick besteht darin, das buchstäblich düster gezeichnete Sündenbabel Wien und dessen gewinnsüchtige Bewohner mit dem naiven Bewusstsein des Helden zu kontrastieren, der für jede noch so verheerende Situation den passenden Bibelspruch parat hat. Ludwigs Gottvertrauen wirkt abgedreht und weise zugleich. Abgesehen von dieser Grundidee lebt die turbulent erzählte Geschichte von den liebenswerten Figuren und ihren lockeren Sprüchen.

    Ulrike Cordes, dpa

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