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  • Kritik: Mischung aus Verschwörungsthriller und Liebesdrama

    Das Historiendrama "Elizabeth" geht gleich in der Anfangsszene schmerzhaft unter die Haut: Mit groben Schnitten werden Protestanten Haare mitsamt blutigen Stücken aus der Kopfhaut abgesäbelt, ehe die drei Männer aneinandergefesselt auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt werden. Dafür verantwortlich ist "Bloody Mary", die englische Königin Maria die Katholische, erste Tochter Heinrichs VIII. Ihr folgt 1558 ihre Halbschwester Elizabeth auf dem Thron.

    Die unerfahrene 25jährige Frau muß harte Lehrjahre bestehen. Davon handelt der Film "Elizabeth", der am nächsten Donnerstag in die deutschen Kinos kommt.

    In einer Mischung aus Verschwörungsthriller und Liebesgeschichte zeigt das Historiendrama ein fesselndes Frauenporträt, beeindruckend lebendig und nuancenreich von Cate Blanchett dargestellt. Elizabeth ist ohne ihre Mutter Anna Boleyn aufgewachsen, denn Heinrich VIII. ließ seine zweite Frau hinrichten, um für seine dritte Frau frei zu sein.

    Am Anfang des Films genießt Elizabeth fern vom Palast, in dem die krebskranke Königin (Kathy Burke) ihrem Ende entgegensiecht, unbeschwert die leidenschaftliche Romanze mit Oberstallmeister Robert Dudley (Joseph Fiennes). Auf die Machtverhältnisse am Hof und deren Tücken und Gefahren ist sie kaum vorbereitet. Die geheimen Strategien der einflußreichsten Männer, die sich gegenseitig mißtrauen, sind für sie undurchschaubar.

    Der väterliche Ratgeber Sir William Cecil legt Elizabeth nahe, sich entweder mit einem französischen Herzog oder dem Gatten der verstorbenen Maria, König Philipp II. von Spanien, zu vermählen, um ihre Herrschaft abzusichern. Wenn sie kinderlos bliebe, fiele der Thron nach ihrem Tod an die schottische Königin Maria Stuart. Doch Elizabeth wagt es, die französischen und spanischen Heiratsangebote zurückzuweisen. Sie entkommt daraufhin dem ersten Mordanschlag nur knapp.

    Im Verwirrspiel von Intrigen und Verrat gewinnt der Meisterspion Sir Francis Walsingham ihr Vertrauen. Damit beweist Elizabeth richtiges Gespür: Walsingham vereitelt den geheimen Plan des Duke of Norfolk, gemeinsam mit Maria Stuart den Thron zu erobern. Er überzeugt die Königin, daß sie mit ihren Widersachern ein für allemal abrechnen muß. Und sie tut es gnadenlos.

    Die Strenge wird fortan zum Regierungsprinzip der desillusionierten und in ihren Gefühlen zutiefst enttäuschten Königin. Sie erstarrt äußerlich zur Maske mit weiß geschminktem Gesicht und kinnhohem Kragen, der bald elisabethanisch genannt wird. Die Selbststilisierung Elizabeths zur Ikone der entrückt wirkenden "jungfräulichen Königin" ist hochdramatisch und packend inszenierter Schluß des Films. Nach Ansicht von Historikern hat Elizabeth dem Volk eine Art Ersatz für die in Zeiten des Katholizismus kultisch verehrte Jungfrau Maria geboten.

    Der Film hält sich an die wesentlichen historischen Fakten. Ob aber Elizabeth wirklich eine Liaison mit ihrem Oberstallmeister hatte, weiß man nicht. Im Film liebt sich das Paar hinter wehenden Vorhängen, während die Hofdamen aufgekratzt vor dem Schlafgemach tuscheln. In Wirklichkeit soll sie ihre intimen Belange auch vor dem Hofstaat verborgen haben.

    Kostümfilmklischees vermeidet der Film ausdrücklich. Das Leben bei Hofe wird auch bei Festen nicht verklärt. Und den Leichen der geopferten Soldaten, deren Blut den Fluß am Schlachtfeld rot färbt, ist die vorangegangene Metzelei anzusehen.

    Die überaus gelungene Wiederbelebung des großen Historiendramas verdanken die Kinobesucher dem indischen Regisseur Shekar Kapur ("Bandit Queen"), der noch nie einen englischsprachigen Film gedreht hatte. Die derzeit erfolgreichste britische Produktionsfirma Working Title Films, die von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bis "The Big Lebowski" einen Kinohit nach dem anderen gelandet hat, betraute den Inder mit dem Stoff, weil er "rein gar nichts über Elizabeth I. wußte", wie es heißt.

    Die "sehr expressive, energiegeladene Bildsprache", die den Produzenten gefiel, zeichnet auch "Elizabeth" aus. Die an historischen Schauplätzen entstandenen Aufnahmen vermitteln die düstere Atmosphäre des von Glaubenskriegen geprägten 16. Jahrhunderts. Kapur versteht es eindrucksvoll, mit Steinen und Licht eine Atomsphäre menschlicher Kälte und lauernder Gefahr zu vermitteln.

    Mindestens ebenso entscheidend für die große Qualität des Films ist die Ausdruckskunst der Hauptdarstellerin Cate Blanchett. Die Australierin ist eine wirkliche Entdeckung. Sie gibt der Königin eine wahrhaftige Statur und versteht es, deren Unsicherheit und Behauptungswillen, Stärke und Verletzlichkeit in einem Augenblick auszudrücken.

    Stark besetzt sind auch die anderen Rollen: Geoffrey Rush, der für seine Darstellung des verwirrten Pianisten David Helfgott in "Shine" den Oscar bekam, spielt den Meisterspion Elisabeths, Christopher Eccleston den verräterischen Duke of Norfolk, Richard Attenborough den Ratgeber Sir William Cecil und Fanny Ardant die Mutter Maria Stuarts, Mary of Guise. In der Rolle des französischen Botschafters überrascht der ehemalige Fußballspieler Eric Cantona. Einen Kurzauftritt wie in "Shine" hat der mittlerweile 94jährige John Gielgud als Papst.

    Inge Treichel, AP

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