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  • Kritik: Militärischer Irrsinn in Friedenszeiten

    "Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selbst her." Dieses Nietzsche-Zitat ist Gregor Jordans Film "Army Go Home" vorangestellt.

    Der australische Regisseur sieht darin den Leitfaden für diese Militärsatire über US- Armisten, die in Friedenszeiten nicht anders zu tun haben, als die Zeit totzuschlagen. So treibt es der zweifelhafte Held Ray Elwood (Joaquin Phoenix) auf die Spitze, der die Zeit auf seine Art mit lukrativem Drogenhandel gestaltet.

    Charmant, akkurat und ein ausgekochter Dealer

    "Krieg ist die Hölle, aber Frieden ist langweilig", ist Elwoods Devise. Und wo könnte es langweiliger sein als auf einem Stützpunkt in der Nähe von Stuttgart, umgeben von tiefster deutscher Provinz. Allerdings kann es passieren, dass ein Tanklaster explodiert, weil die vollgekiffte Panzerbesatzung bei der Übung die Orientierung verloren hat.

    Nur Elwood achtet stets darauf, dass die riskanten Deals nicht aus dem Ruder laufen. Er ist charmant und durchtrieben, im Dienst akkurat und nebenher ein ausgekochter Dealer. "Elwood würde vielleicht sogar mit Blumen handeln, wenn sich das finanziell für ihn lohnen würde", meint Joaquin Phoenix. "Aber wie die Dinge liegen, bringen Drogen mehr Profit. Er ist eigentlich kein düsterer Charakter, eher einer, der in seinem Leben schon viel Finsteres gesehen hat. Die Rolle war eine Gratwanderung, immerhin bestand die Gefahr, dass das Publikum ihn ablehnt."

    Wenn der Feind abhanden kommt

    Das ist kaum zu befürchten, da Hauptdarsteller Joaquin Phoenix nicht den Bad Guy repräsentiert. Eher schon die Ambivalenz zwischen dem Abgründigen und einer unterhaltsamen Leichtigkeit, wie sie auch Gregors schwarze Komödie (nach Robert O'Connors Roman "Buffalo Soldiers") ausstrahlt. Mit den Militärpossen-Klassikern "M.A.S.H." und "Catch 22" verbindet "Buffalo Soldiers" (Originaltitel) die Satire. In dieser makabren Geschichte geht es jedoch um den militärischen Irrsinn in Friedenszeiten. Was hier bedeutet: 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer. Die kommandierenden Militaristen wie Scott Glenns Vietnam-Veteran Lee, Elwoods neuer Vorgesetzter, ahnen noch nicht, dass ihnen der Feind abhanden kommt.

    Ursprünglich war diese Rolle für Ed Harris vorgesehen, der sich mit seinem eigenen Film "Pollock" entschieden jenseits der sonst so zackigen Rollen präsentierte. Den Verlierertypen Commander Berman wagte man ihm nicht anzubieten, obwohl der Regisseur dafür plädierte. Dann war es Harris selbst, der nach Lektüre des Drehbuchs diesen entscheidungsunfähigen Softie in Uniform favorisierte.

    Harris als Komödiant ist ein Vergnügen

    Harris bei diesem Rollenwechsel als Komödianten zu erleben, macht Vergnügen. Es gehört aber zu den harmloseren Volten dieses Films, der als Militärsatire einen Kontrapunkt zu patriotischen Blockbustern wie "Black Hawk Down" setzt. Es mag dazu beigetragen haben, dass ein australischer Regisseur diesen Film über US-Soldaten in Germany machte: "Wir in Australien sind sehr zurückgezogen von der Welt. Darum sind wir wahrscheinlich objektiver als Amerikaner oder Europäer", erklärt sich Gregor Jordan die Entscheidung der Produzenten. Im Wesentlichen beruhte sie jedoch auf dem Erfolg seines Debütfilms "Two Hands", ebenfalls eine schwarze Komödie. "Ich bin ein Fan der "Black Comedy", weil sie dem Publikum hilft, einen ziemlich finsteren Stoff zu schlucken", erklärt Jordan.

    Ricarda Schrader, dpa

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