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  • Kritik: Mike Leighs "Lügen und Geheimnisse"

    Hamburg (dpa) - "Ich möchte einfach ehrliche Filme machen - über das wirkliche Leben", sagt der britische Regisseur Mike Leigh. So entstand auch seine tragikomische Familiengeschichte "Lügen und Geheimnisse".

    Mit ihr räumte Leigh für die Story um eine schwarze Akademikerin, die in einer weißen Fabrikarbeiterin ihre leibliche Mutter wiederfindet, bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes neben der Goldenen Palme gleich serienweise Preise ab. Am Donnerstag (12.9.) kommt das amüsante Spektakel in die deutsche Kinos.

    Die Story beginnt harmlos: Die junge schwarze Hortense (eindringlich und humorvoll: Marianne Jean-Baptiste) macht sich auf, nach dem Tod ihrer Adoptiveltern ihre leibliche Mutter zu suchen. Zu beidseitiger Überraschung entpuppt diese sich als Weiße, die in einem abgetakelten Londoner Vorort ihr Leben mehr schlecht als recht fristet. Mit ihrer Darstellung der liebenswert-schlampigen Cynthia, die - stets eine Kippe im Mund - an der Grenze zur Hysterie entlanglaviert, eroberte Brenda Blethyn in Cannes nicht nur die Herzen des Publikums, sondern auch den Darstellerpreis.

    Um die beiden ungleichen Frauen und ihre beginnende Freundschaft ranken sich komplizierte Familienbande, die ebenso wie das bisherige Leben von Cynthia und Hortense von Geheimnissen und Lügen geprägt sind. Ein Geburtstagsfest, das alle zusammenführen soll, endet im Desaster. Aber dabei werden endlich Dinge ausgesprochen, die seit Jahren unterdrückt und verdrängt wurden. Haarscharf am Kitsch vorbei halten Leigh und sein Schauspielertrupp das pathetische Finale im Lot. "Es ist wichtig, in seinem Leben einige Geheimnisse und Lügen zu haben, aber es ist wichtiger, diese Gefühle mit anderen zu teilen", sagt Leigh dazu im dpa-Interview.

    Wenn sich die aufgewühlten Gefühlswogen im blümchendekorierten Wohnzimmer des Londoner Reihenhauses schließlich legen, ist das Eis der eingefrorenen Familienbeziehungen gebrochen. Aber die Probleme, die auch Cynthias Bruder Maurice (Timothy Spall), ein gescheiterter Fotograf, und seine Frau Monica (Phyllis Logan) mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch mit sich herumtragen, haben sich keineswegs in Luft aufgelöst. Das macht den Film so liebenswert und menschlich. Leighs legt die eigene Erfahrung zugrunde: "So ist das Leben eben. Tragisch und komisch, sehr traurig und sehr witzig zugleich."

    Der Brite bürstet mit seiner Alltagsstudie Vorurteile gegen den Strich: "Es gibt in Großbritannien eine neue, selbstbewußte Generation von Schwarzen, die sich längst aus den Vororten und Ghettos herausbewegt." Ein Touch Gesellschaftskritik gehört für Leigh ("Nackt", "Life is Sweet") der mit Ken Loach und Stephen Frears zu den bekanntesten Vertretern des neuen britischen Films gehört, in jedem Fall dazu. Abgehobene Lehrstücke und erhobene Zeigefinger lehnt er ab: "Ich bin kein Intellektueller. Manche schreiben Gedichte in ihrer Küche, ich mache Filme. Die sollen unterhalten und Zuschauer finden. Das ist mein Job."

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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