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  • Kritik: Miese Gangster und Jazz, Jazz, Jazz

    Hamburg (dpa) - Kansas City 1934, am Vorabend der Wahlen. Die ganze Stadt vibriert förmlich vor unterschwelliger Gewalt. Illegale Deals und Bestechung sind in der Zeit der wirtschaftlichen Depression an der Tagesordnung. Der Alltag erscheint morbide und düster, doch in den schwarzen Jazzclubs wächst eine ungestüme musikalische Subkultur heran. Dieser neue Sound bestimmt den Rhythmus der Geschichte und macht den jüngsten Streifen von Robert Altman - der Gangsterstory zum Trotz - vor allem zu einem Musikfilm. An diesem Donnerstag kommt "Kansas City" in die deutschen Kinos.

    US-Altmeister Altman setzt seinem Heimatstadt, dem Geburtsort des Swing, ein filmisches Denkmal. Er bedient sich dazu erstklassiger Musiker, die im Dunstkreis von Count Basie in Jamsessions die jungen Jazzgrößen Coleman Hawkins und Lester Young mimen, aber auch hochkarätiger Schauspieler. Allen voran Harry Belafonte als Nachtclubbesitzer, "Kidnapperin" Jennifer Jason Leigh und ihr "Opfer" Miranda Richardson als ungleiches Frauenduo.

    Um ihren Freund, einen kleinen Gauner, aus den Fängen der Unterwelt zu befreien, entführt die ebenso skrupellose wie romantische Blondie O'Hara kurzerhand die Gattin des Gouverneurs-Kandidaten. Das Problem aber ist: Dem machtgierigen Politiker ist das Verschwinden seiner Gattin, die er längst nicht mehr liebt, gar nicht so unrecht, so daß sich zwischen den beiden unfreiwillig aneinanderketteten Frauen eine seltsame Freundschaft entspinnt.

    "Die ganze Struktur dieses Films steht in Beziehung zum Jazz", sagt der 61jährige Altman. "Die Story wäre in drei Minuten erzählt, aber sie entwickelt sich durch das, worüber die Frauen reden, wohin sie gehen, wen sie treffen. Bei den Dreharbeiten war ich weniger ein Regisseur als ein Dirigent oder ein Bandleader. Alle Schauspieler improvisieren ihr eigenes Solo", sagt der Regisseur, der damit sein schon in "Short Cuts" (1993) ausgefeiltes Prinzip der Geschichten in der Geschichte nunmehr musikalisch adaptiert.

    Die mitreißenden Jazzparts bannte er dafür zunächst in einem 50minütigen Musikfilm auf Zelluloid - im Mittelpunkt steht ein mitreißendes Doppelsolo von "Hawkins" und "Young", das sich zu einem wahren Saxophon-Wettstreit auswächst. "Die Jazzszenen standen in keinem Drehbuch. Wir steckten einfach die Band zusammen und drehten. Daraus wurde kein Dokumentarfilm, sondern eine Performance. Wie ein visuelles Album, das wir dann in die Geschichte integrierten", sagt Altman.

    Seine ausgefeilte, wenngleich bei den Filmfestspielen in Cannes nur mäßig erfolgreiche Hommage an K.C. und den Jazz ist mit ganz persönlichen Erinnerungen verbunden. "Unsere schwarze Haushälterin rief mich eines Tages vors Radio und sagte: Bobby, hör Dir das an. Das ist Duke Ellingtons ,Solitude', die beste Musik die es gibtacicrc;. Es ist das erste Musikstück, an das ich mich wirklich erinnere - und es ist das letzte Musikstück in dem Film."

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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