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  • Kritik: Michelle Pfeiffer als starke Mutter

    Nur ein paar Minuten lässt Beth ihre drei Kinder aus den Augen, und der Alptraum jeder Mutter wird wahr: Ihr kleiner Sohn Ben ist spurlos verschwunden. Mit jedem Tag der erfolglosen Suche nimmt die Verzweiflung der Familie Cappadora zu, bis sie sich schließlich mit dem Verlust des Sohnes abfinden muss. Erst nach Jahren findet sich Beth wieder halbwegs im Leben mit Ehemann Pat, Sohn Vincent und Tochter Kerry zurecht.

    Just zu diesem Zeitpunkt taucht ein fremder Junge vor der Haustür der Familie auf, der Ben verblüffend ähnlich sieht. Beths Vermutung wird schnell zur Gewissheit: Der verloren geglaubte Sohn ist am Leben. Mit Hilfe von Detektivin Candy Bliss (Whoopi Goldberg) stellt sich heraus, dass er unter dem Namen Sam nur wenige Häuserblocks von den Cappadoras entfernt bei einem Pflegevater aufgewachsen ist. Knall auf Fall wird der inzwischen zwölfjährige Junge (Ryan Merriman) zur Familie zurückverfrachtet, wo er sich alles andere als wohl fühlt.

    Obwohl sich die Cappadoras rührend, manchmal zwanghaft um Sam bemühen, findet er nicht so recht seinen Platz in der Familie und läuft immer wieder in die Arme seines liebevollen Pflegevaters George zurück. Bald sehen sich Beth (Michelle Pfeiffer) und Pat (Treat Williams) mit der Frage konfrontiert, ob sie Sam wirklich gegen seinen Willen bei sich behalten oder ihr Kind freiwillig ein zweites Mal verlieren wollen.

    Michelle Pfeiffer, gerne als "schönste Mutter Hollywoods" bezeichnet, nannte die Darstellung der starken Beth in "Tief wie der Ozean" die Rolle ihres Lebens. Schon bei der Lektüre des zugrunde liegenden gleichnamigen Bestseller-Romans von Jacqueline Mitchard habe es ihr buchstäblich den Atem verschlagen. "Ich glaube, es gibt niemanden, der Kinder hat und den diese Geschichte nicht zutiefst bewegen würde", sagte die Schauspielerin. Am meisten beschäftigt habe sie die Frage, "was eine Familie über die genetischen Bande hinaus definiert".

    Ähnliche Fragen sind es, die den Kinobesucher nach "Tief wie der Ozean" nicht mehr loslassen. "Blut ist dicker als Wasser", sagt das Sprichwort - aber was bedeuten die Blutsbande für einen kleinen Jungen, der sich plötzlich im Kreise fremder Eltern und Geschwister wiederfindet und seine schmerzlich vermisste, gewohnte Umgebung nur wenige Kilometer entfernt weiß? Welchen Wert hat dann die Institution Familie? Sam gibt sich als erstaunlich vernünftiger Junge und bemüht sich, das neue Familienglück nicht zu trüben - bis er seinen Schmerz und die Sehnsucht nach George nicht mehr erträgt.

    Der aus den Niederlanden stammende Regisseur Ulu Grosbard versetzt sich einfühlsam und doch distanziert in die von der Ironie des Schicksals heimgesuchten Cappadoras. Dabei gelingt es ihm, nahezu jede der allgegenwärtigen Klippen zur Schmonzette zu umschiffen. "Wir haben alle jeden Morgen eine Anti-Kitsch-Pille verabreicht bekommen", gestand Produzent Steve Nicolaides. Trotzdem fordert Hollywoods Gefühlsschmalz auch von "Tief wie der Ozean" seinen Tribut: etwa wenn sämtliche Freunde der Familie sich auf der Suche nach Ben zu hektischen Detektiven aufschwingen oder wenn auf ein fragendes "Dad?" des Jungen zwei Männer antworten und peinliche Stille entsteht.

    Aufgewogen werden solche kleinen Aufgesetztheiten von mitreissenden Szenen, in denen Sam etwa seiner Familie - unter den ungläubig-amüsierten Blicken des pubertierenden Bruders Vincent (Jonathan Jackson) - das Sirtaki tanzen beibringt. Gewohnt brillant ist auch Whoopi Goldberg, obwohl ihr als schwarzer Lesbe Candy eigentlich zu viele Klischees aufgeklebt werden. Entstanden ist auf diese Weise ein großes, altmodisches Drama vom verlorenen Sohn, das mehr als kurzlebige Unterhaltung bietet.

    Michaela Pieler, AP

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