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  • Kritik: Michael Moores furioser BushKrieg

    «Fahrenheit 9/11», das ist die fulminante Anklage des US-Dokumentarfilmers Michael Moore an sein Land, das den Pfad der Tugend verlassen habe. Es ist eine erbarmungslose Abrechnung mit der Politik unter Präsident George W. Bush von dessen umstrittener Wahl im November 2000 bis zum Irak-Krieg.

    Vor allem jedoch ist «Fahrenheit 9/11» ein als Dokumentation verkleidetes Wahlpamphlet: Der 50-jährige Oscar-Gewinner aus Flint/Michigan («Bowling for Columbine») will Bush aus dem Weißen Haus gejagt sehen. Seit dem riesigen Wirbel um Moore auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes ist «Fahrenheit 9/11» ein Erfolgsschlager. In Deutschland setzt sich das fort - mit 200 Kopien ist sein Start der bislang größte eines Dokumentarfilms.

    Mit dem ihm eigenen Biss setzt Michael Moore Ausschnitte aus TV-Nachrichten, offizielle Erklärungen, Archivbilder sowie bislang unveröffentlichte Videos zu dem provokativ kommentierten Porträt des Präsidenten zusammen. Der Tenor: Erst hat George W. Bush seine Wahl erschwindelt - dann nutzt er die Anschläge des 11. September, um den Irak zu überfallen, in den USA eine Angstkampagne auszulösen und die Bürgerfreiheiten einzuschränken. Abhängig von den Ölkonzernen und den Geschäftsbeziehungen mit saudischen Familien, der Osama bin Ladens eingeschlossen, kaschiert Bush die eigentlichen Interessen. Das ist alles so neu nicht, aber mit viel Witz, Können und Wut aufbereitet.

    Eine der eindringlichsten Szenen zeigt Bush, der sich am Morgen des 11. September 2001 auf den geruhsamen Besuchstermin in einer Grundschule Floridas eingestellt hatte, als ihm dort von seinem Stabschef das Entsetzliche zugeflüstert wird: «Die Nation wird angegriffen.» Sieben unendliche Minuten bleibt die Kamera auf einem wie gelähmt dasitzenden Bush, der Zeit zu brauchen scheint, den Ernst der Lage zu deuten. Er greift zu einem Kinderbuch und blättert darin.

    «Fahrenheit 9/11» fehlt die überzeugende Einheit von «Bowling for Columbine» über die Gewalt im Schusswaffen-Paradies USA. Die zweite Hälfte schreibt Bushs Jahre mit dem Irak-Krieg fort - und geht dabei von dem fragwürdigen Bild eines nahezu märchenhaft friedlichen Irak unter Saddam Hussein aus. In den USA dürften Kriegsaufnahmen ihren Eindruck kaum verfehlen, die auch zeigen, wie tote Amerikaner durch irakische Straßen geschleift werden. Dazu das Elend verkrüppelter Rückkehrer, die nicht wissen, warum sie Krieg führen mussten. Pure Emotion löst die Sozialarbeiterin Lila Lipscomb aus Flint aus, die einen Sohn im Irak verliert. Zuvor eine überzeugte Patriotin, trägt sie ihre Trauer und ihren Zorn bis vor das Weiße Haus in Washington.

    Seit Cannes im Mai schwebt Moore auf einer Erfolgswelle. Ein einzigartiger Medienrummel wie sonst wohl nur für Madonna empfing den Bush-Gegner. Nach der «Fahrenheit 9/11»-Gala hallten 20 Minuten lang - oder waren es gar 30? - Ovationen durch das Festivalgebäude. Und dann die Goldene Palme 2004 für Moore, die erste für einen Doku-Film, seit Cannes den symbolträchtigen Wedel vergibt. Größte Mühe gab sich der amerikanische Jury-Präsident Quentin Tarantino, die Filmjournalisten davon zu überzeugen, es sei kein politischer Preis: «Wir fanden alle, dass dies der beste Film war, den wir gesehen haben.» Vier von neun Jury-Mitgliedern kamen aus den USA - dem Land, das im November wählt.

    «Ich gehe schon davon aus, dass dies für rechtslastige Medien in den USA ein französischer Preis ist», meinte Moore in Cannes unter Anspielung auf die Pariser Front gegen den Irak-Krieg. Um gleich in dem US-Wahlkampf à la Moore fortzufahren: «Ich bin der patriotischste Amerikaner. Die USA haben Werte. Man fällt nicht so einfach über ein Land her, das nicht als erstes angegriffen hat.» Und doch geht der kämpferische Regisseur in seinem Fazit über Bush hinaus: Krieg wird um Geld und Macht vor allem auch im eigenen Land geführt - auf dem Rücken der Armen, die sich rekrutieren lassen (müssen). Gegen Bush und Krieg setzt Michael Moore alle Hoffnung auf «das andere Amerika».

    dpa

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