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  • Kritik: Michael Collins" zeigt historische Loslösung der Iren

    Hamburg (AP) - Michael Collins gilt vielen als der Freiheitsheld des irischen Volkes. Er gründete nach dem Scheitern des Osteraufstands von 1916 die IRA, die Irisch-Republikanische Armee, deren Angriffe entschieden mithalfen, die Briten zu vertreiben. Collins war die Art von Held, deren Leben einfach verfilmt werden mußte: Jung, erfolgreich, eins mit dem Volk, den englischen Geheimagenten immer eine Spur voraus und am Ende doch tot, von Verrätern in einen Hinterhalt gelockt. Das Filmdrama "Michael Collins" mit Liam Neeson in der Hauptrolle kommt am 3. April in die Kinos.

    Damit der Film auch den richtigen Stallgeruch bekommt, waren Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller in irischer Hand. Der mit "Mona Lisa" oder "Interview mit einem Vampir" bekanntgewordene Regisseur Neil Jordan hat seit Jahren an dem Drehbuch geschrieben, er stammt aus Sligo im Nordwesten der Insel. Jordan begann als Autor und wechselte 1981 zum Film. "Als ich seine Lebensgeschichte zum ersten Mal las, erschien sie mir unglaublich romantisch", sagt der Regisseur über Collins. "Würde man so eine Geschichte erfinden, würden sie die Leute nicht glauben wollen." Jordan betont, wie sehr er sich in dem Film an die wahre Geschichte gehalten hat. In Venedig bekam er 1996 für "Michael Collins" den Goldenen Löwen.

    Die Hauptrolle war schon seit Jahren für Liam Neeson vorgesehen, der in "Nell", "Schindlers Liste" oder "Rob Roy" Karriere machte. Neeson stammt aus dem immer noch aus London regierten Nordirland. Als er zur Schule ging, sei der ganze irische Freiheitskampf "mit einem einzigen Satz abgetan" worden, erinnert er sich. In dem Film werde die Zeit von 1918 bis 1922 behandelt, es sei aber auch darum gegangen, die 700jährige Unterdrückung der Iren durch die Engländer zu zeigen.

    Das tut der Film nicht zu knapp: Die Engländer und ihre einheimischen Büttel sind in "Michael Collins" eine prügelnde und mordende Horde. Ostern 1916 schlugen sie am "Blutigen Sonntag" nach sechstägigem Kampf einen irischen Aufstand nieder und exekutierten die Anführer. Zu den Überlebenden zählt Michael Collins. Er erkennt, daß ein unorganisierter Kampf gegen die militärische Übermacht der Engländer keine Chance hat. Er stellt eine kleine Freiwilligeneinheit auf, die mit Attentaten die Besatzer zermürben sollen. Weil die Engländer nicht wußten, wie er aussah, war Collins in Dublin in aller Öffentlichkeit mit dem Fahrrad unterwegs, übernachtete aber jeden Abend woanders.

    Am Ende gewann Collins, doch mit schmerzhaften Zugeständnissen: Nach dem Friedensvertrag, den er aushandelte, blieb Nordirland bei London. In seiner Heimat galt Collins daraufhin vielen als Verräter, in einer Art Bürgerkrieg wird er in eine Falle gelockt und erschossen. In dieser Schlußphase liegt die große Schwäche des Films: Dem Zuschauer bleibt völlig schleierhaft, warum die Iren sich gegenseitig umbringen müssen, kaum daß die Engländer aus dem Land geworfen sind. Klar wird aber das Verdienst von Collins für die Freiheit Irlands.

    Damit das Gefühl nicht zu kurz kommt: Der Held hat auch eine Frau, Kitty Kiernan (Julia Roberts). In ihr spiegeln sich die Zweifel und Qualen von Collins über die Richtigkeit seines Tuns.

    In Irland ist Collins immer noch umstritten, so wie der Bürgerkrieg Anfang der 20er Jahre noch ein Tabuthema ist. Nur ein kleines Kreuz zeigt in Bealnablath, wo der Mann erschossen wurde, der seinem Volk die Freiheit brachte.

    Von AP-Korrespondent Claus-Peter Tiemann

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