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  • Kritik: Meryl Streeps heiße Liebesaffäre mit Clint Eastwood

    Hamburg (dpa). Schön ist die Landschaft in Iowa nicht, dort wo die Familie Johnson seit Jahren ihre Farm bewirtschaft. Sie ist geprägt von Maisfeldern, Wiesen und seltsam überdachten Brücken, die eines Tages in den 60er Jahren den Fotografen Robert Kincaid (Clint Eastwood) in diese verlorene Ecke Amerikas bringen. Ausgerechnet Francesca Johnson (Meryl Streep) fragt er nach dem Weg. Aus dieser Begegnung wird eine vier Tage dauernde heftige Affäre, die Eastwood auch als Regisseur in "Die Brücken am Fluß" kunstvoll inszenierte.

    Als Pokerface "Dirty Harry" wurde der heute 65jährige Eastwood ein Star, nun zeigt er auf seine alten Tage noch Gefühl. Mit großer Meisterschaft erzählt er die innige Liebesgeschichte zwischen Francesca und Robert, die sich ganz beiläufig aus der alltäglichen Situation entwickelt. Während eines glühend heißen Sommers ist Francescas Mann für einige Tage zu einer Landwirtschaftsausstellung gefahren. Aus der zufälligen Begegnung mit Robert und unverfänglichen Einladungen wird schnell ein tiefes Gefühl, das Francescas Leben grundsätzlich in Frage stellt.

    Mit "Die Brücken am Fluß" gelang Eastwood ein melodramatischer Film, für den er Mitte September in Hamburg im Rahmen des Filmfestes den Douglas-Sirk-Ehrenpreis entgegen nehmen konnte. Er erzählt von den Blicken, mit denen sich Robert und Francesca anfangs mustern, von ihren kleinen Gewohnheiten und ihrer großen Sehnsucht. Die kleine Farmersküche der Johnsons wird zum Schauplatz eines existenziellen Dramas, in dem die Fassaden schnell zusammenbrechen und Verzweiflung und Ratlosigkeit zum Vorschein kommen.

    Eastwoods Film profitiert gleichermaßen von seinen eindrucksvollen Hauptdarstellern und seinem wunderbaren Erzählrhythmus. Langsam baut sich Spannung auf, denn Francesca muß sich entscheiden. Bald wird ihr Mann zurückkommen, den sie eigentlich nie verlassen wollte. Diesen Konflikt stellt Eastwood wirkungsvoll dar und findet ein durchaus tragisches Ende, wenn er Francescas Verantwortungsbewußtsein über ihre Sehnsucht nach Freiheit stellt. So überraschend Eastwood als Regisseur eines Liebesdramas auch scheint, letztlich reiht sich "Die Brücken am Fluß" sinnvoll ein in das Lebenswerk eines Nonkonformisten.

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