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  • Kritik: Meryl Streep in großer Rolle:

    Ellen ist jung, begabt und von brennendem Ehrgeiz beseelt. Die in Manhattan lebende Journalistin weiß genau, was sie will - und was nicht: Sie will ihren Vater, den berühmten Literaturprofessor, beindrucken, aber auf keinen Fall so werden wie ihre Mutter.

    Die läuft in ihrer Vorstadtidylle im Dirndl herum, pflegt ihr Damenkränzchen und sorgt dafür, daß der sensible Gatte nicht mit den lästigen Pflichten des Alltags behelligt wird. In der Küche von Kate Gulden ist alles blitzblank, niemand backt besseren Kuchen. Ellen kann nicht begreifen, daß ihre Mutter ein glücklicher Mensch ist - genau das aber ist Kate.

    Es bedarf einer tragischen Entwicklung, nämlich der Krebserkrankung Kates, um Mutter und Tochter ganz nah aneinanderzubringen. Es ist zugleich die Zeit einer schmerzhaften, aber schon längst überfälligen Desillusionierung Ellens über den bewunderten Vater. Der erweist sich in den Wochen extremer existentieller Bewährung als Schwächling und Egoist, der noch nicht mal dann von seinen gewohnten Affären mit Studentinnen lassen kann. Dieser George Gulden mag seine Meriten als akademischer Star haben, in Sachen Lebenskunst ist er seiner intellektuell desinteressierten Frau jämmerlich unterlegen. Ellen lernt eine wichtige Lektion für das weitere eigene Leben.

    Nach dem Begräbnis der erschütternd dahinsterbenden Mutter kehrt die Journalistin sehr verändert zurück in das Leben, das sie so sehr angestrebt hat, aber das nun doch viel vom einstigen Reiz verloren hat. George Gulden hat nicht nur seine treusorgende Frau verloren, er ist auch für Ellen kein Idol mehr. Das alles klingt nach einer ziemlich traurigen, sentimentalen und jedenfalls nicht sonderlich spannenden Geschichte. Aber der amerikanische Film "Familiensache", ab dem 18. März in den deutschen Kinos zu sehen, entwickelt eine ganz eigene Kraft, die dem Betrachter 127 anrührende Leinwandminuten schenken.

    Dazu bedurfte es des geglückten Zusammenspiels einer guten Vorlage, hervorragender Darsteller und eines Regisseurs mit sicheren Instinkten. Drehbuchautorin Karen Croner hat den in Deutschland unter dem Titel "Die Seele des Ganzen" erschienenen feministischen Bestseller von Anna Quindlen mit großer psychologischer Feinfühligkeit zu einem Drehbuch verarbeitet, das keineswegs der Spannungselemente ermangelt. Mit Meryl Streep in der Rolle der kranken Kate wurde die absolute Idealbesetzung gefunden, inzwischen mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Aber auch die junge Rene Zellweger hält in ihrem schwierigen Part zwischen Karrierefrau und hilfloser Tochter bewundernswert sicher die Balance.

    William Hurt mimt sehr glaubwürdig den Vater, der nur in seiner Bücherwelt glänzt, eine tragische Chrakterstudie für sich. All das aber wird gekrönt durch die niemals in billige Sentimentalitäten abgleitende Regie von Carl Franklin. Behutsam, aber gnadenlos zeigt er den Zerfall einer Familie des gehobenen Mittelstands. Natürlich weiß Franklin, was er seinem Star Meryl Streep schuldig ist. Doch nie macht er aus "Familiensache" ein Krebsmelodram, sondern zeigt Situationen, die uns berühren, weil sie uns nicht unbekannt sind. Das, und nicht so sehr das absehbare Sterben der Mutter, läßt uns diesen Film so betroffen verlassen.

    Wolfgang Hübner, AP

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