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  • Kritik: Menschliche Trägodie geht unter die Haut

    Mit dem unverstellten Blick eines Fremden

    In dem eindringlichen Familiendrama "Monster's Ball" erzählt der preisgekrönte Schweizer Regisseur Marc Forster ("Everything Put Together") die Geschichte des wortkargen Henkers Hank Grotowski, der sich ausgerechnet in die Frau (Halle Berry) verliebt, deren Ehemann er kurz zuvor exekutiert hat. Diese herausfordernde Charakterrolle brachte der neuen Bond-Gegenspielerin Berry nicht nur den Silbernen Bären auf der diesjährigen Berlinale ein, sondern zugleich als erster schwarzen Schauspielerin den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

    Die Vorlage zu diesem intensiven, aufwühlenden Melodram verfassten die amerikanischen Autoren Milo Addica und Will Rokos, die für "Monster's Ball" eine Oscar-Nominierung für das beste Originalskript erhielten. Ihr Drehbuch kursierte bereits seit Mitte der 90er Jahre in Hollywood und sollte ursprünglich von Regisseuren wie Oliver Stone oder Sean Penn verfilmt werden. Die Realisierung des Projekts scheiterte jedoch an den überhöhten Gagenforderungen verschiedener Schauspieler sowie den Vorschlägen, die Story zu Gunsten einer größeren Kommerzialität zu entschärfen.

    Erst der US-Produzent Lee Daniels wagte sich an die heikle Story. Erleichtert wurde die Finanzierung des Films durch die Zusage von Thornton, der für ein Bruchteil seiner üblichen Gage die Hauptrolle übernahm. Diese Entscheidung hatte eine Signalwirkung auf die weiteren Mitwirkenden wie Peter Boyle, dem Rap-Star Sean "Puffy" Combs oder Mos Def. Ein Teil der Dreharbeiten erfolgte in einem echten Gefängnis. Dabei treten die beiden Autoren als Wärter in einer Szene auf. Als Komparsen wurden zudem verschiedene Insassen eingebunden.

    "In England richten sie dem Todgeweihten in der Nacht vor seiner Hinrichtung eine Party aus. Sie nennen das Monster's Ball", erklärt der Henker im Film. "Wir können nicht über ihn und seine Tat nachdenken. Es ist einfach unser Job." Auch nach der eigenen Familientragödie trägt Grotowski sein Innenleben nicht nach außen, bricht jedoch mit den alten Traditionen und kehrt nicht mehr in das Staatsgefängnis von Georgia zurück. An einem ähnlich traurigen Tiefpunkt ist die attraktive Kellnerin Leticia Musgrove (Halle Berry) angekommen, die er zufällig kennen lernt, ohne zu ahnen, was sie miteinander verbindet. Während nach den schweren Schicksalsschlägen langsam der Schutzwall zwischen ihnen bröckelt und die wachsende Vertrautheit in sexuelle Ekstase umschlägt, sieht der Zuschauer bereits die dunklen Schatten der Vergangenheit heraufziehen.

    Seit "Monster's Ball" wird der junge Schweizer Regisseur in den USA als neues Talent am Regie-Himmel gehandelt. Mit dem unverstellten Blick eines Fremden auf Amerika zeigt Forster die gottverlassene Provinz der Südstaaten, wo schwierige Menschen, überlieferter Rassismus, kaputte Familien und staatlich sanktionierte Todesurteile wie in einem Brennpunkt aufeinander prallen. Die charakterlichen Nuancen, Brüche und seelischen Verkarstungen dieser Figuren haben beiden Hauptdarstellern Höchstleistungen abverlangt. Das zwischen Emotionalität und Schuld angesiedelte Spannungsfeld verleiht diesem Drama eine vibrierende Atmosphäre, die unter die Haut geht.

    Birgit Heidsiek, dpa - Foto: dpa

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