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  • Kritik: Menschen zwischen Einsamkeit und Liebe

    Irgendwie sind sie alle auf der Suche nach Halt, die Figuren in dem Film «Herzen» des französischen Regisseurs Alain Resnais. Der Immobilienmakler Thierry, seine Kollegin Charlotte und seine Schwester Gaelle, der Barkeeper Lionel, Nicole und ihr arbeitsloser Freund Dan.

    Sie irren durch das Pariser Schneetreiben, um der Einsamkeit zu entgehen und ein bisschen Wärme zu finden. Einfühlsam und mit viel Gespür für leise Töne hat der französische Altmeister mit der Musik von Mark Snow ihre Geschichten verwoben. Herausgekommen ist ein wunderschöner Film über die Liebe, über Enttäuschungen und über unerfüllte Träume, der leichte Momente mit melancholischen Augenblicken verbindet.

    Am 29. März kommt die in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnete Adaption des Theaterstücks «Heimliche Ängste» von Alan Ayckbourn ins Kino. Gedreht hat Resnais, der mit Filmen wie «Hiroshima, mon amour» von 1959 als einer der Wegbereiter der französischen Nouvelle-Vague gilt, mit einem Ensemble, mit dem er schon oft zusammengearbeitet hat: Sabine Azéma als Charlotte («Malen oder Lieben»), Pierre Arditi («Pas sur la bouche») als Lionel und André Dussollier («Lemming») als Thierry.

    Sich von ihnen zu trennen unter dem Vorwand, wir hätten schon so viel zusammen gearbeitet, wäre absurd, sagt Resnais. «Ich weiß ja, was sie können und ich bin auch in der Lage, mich von ihnen überraschen zu lassen.» Trotz ihrer körperlichen Nähe ist die Distanz zwischen den Menschen im Film spürbar. Obwohl sie sich nach Liebe und Anerkennung sehnen, können sie ihre Herzen nicht ohne weiteres öffnen, weil sie Angst haben, erneut verletzt zu werden.

    So etwa bei Thierry und Charlotte, die zwar täglich nebeneinander arbeiten, aber eigentlich nichts voneinander wissen. Erst als Charlotte ihm eine Videokassette mit ihrer religiösen Lieblingsfernsehsendung mitbringt, scheint er nach dem Abspann ungeahnte Einblicke in ihre Vorlieben zu bekommen. Doch sein Bedürfnis nach Nähe lehnt sie brüsk ab.

    Auch Gaelle (Isabelle Carré) und Dan (Lambert Wilson) wirken wie ein perfektes Paar, finden aber nicht zueinander, während Lionel mit seinem pflegebedürftigen Vater Arthur hadert. «Ich hatte sofort die Vorstellung von sieben Menschen, die in einem Spinnennetz gefangen sind», beschreibt Resnais seine Gefühle nach dem Lesen von Ayckbourns Stück.

    Resnais unterstreicht die fehlende Nähe mit seinen Bildern. Immer wieder verstellen Vorhänge und Trennwände den Blick der Figuren aufeinander. Das Schneegestöber nach jeder Episode setzt er ein wie eine Art Vorhang im Theater. Gedreht hat er im Pariser Stadtviertel Quartier Bercy. «Dort herrschte eine seltsame Atmosphäre, ein unwirkliches Licht, manchmal wimmelt die Menge und dann ist es plötzlich menschenleer», erklärt Resnais. «Man kann von diesem Stadtteil sagen, dass er die Einsamkeit heraufbeschwört.»

    Cordula Dieckmann, dpa

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