40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Melancholischer Dokumentarfilm
  • Kritik: Melancholischer Dokumentarfilm

    «Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.» So poetisch umschrieb der argentinische Dichter Enrique Santos Discépolo die Eigenart des Tangos. Seit seinem Aufkommen Mitte des 19. Jahrhunderts wird dieser von Einwanderern geprägte Tanzstil mit Melancholie, Wehmut und Verlassenheit in Verbindung gebracht. Vieles ist längst zum folkloristischen Klischees geronnen. Aber gibt es im heutigen, krisengeschüttelten Argentinien noch so etwas wie das pochende Herz des Tangos?

    Der deutsche Regisseur und Buchautor Arne Birkenstock («Tango - Geschichte und Geschichten») ergeht sich in seinem Dokumentarfilm «12 Tangos - Adios Buenos Aires» nicht in historischen Reminiszenzen, sondern porträtiert drei Menschen in ihrem täglichen Überlebenskampf.

    Die Lage ist trostlos. Der 71-jährige Tangotänzer Roberto Tonet hat beim «Corralito», dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise im Dezember 2001, alle seine Ersparnisse verloren. Jetzt sitzt er in seinem Haus, das er bald verkaufen muss, und erinnert sich an bessere Zeiten. Die Tanzschritte beherrscht er immer noch perfekt, aber seine Karriere ist unweigerlich zu Ende. Er fühlt sich betrogen von einer korrupten Politikerkaste.

    Argentinien, das ist heute ein Land ohne Hoffnung. Auch für die 20-jährige Tangotänzerin Marcela Maiola, die in ihrer Heimat nicht genug Geld mit Unterrichtsstunden verdienen kann und nach Frankreich auswandern will. Früher kamen die europäischen Einwanderer nach Argentinien, bis 1930 waren es über sechs Millionen, zumeist Italiener. Jetzt müssen die Leute ihr gebeuteltes Land verlassen, aus der Not heraus. Eine davon ist Yolanda Zubieta. Sie hat vier Kinder, aber sie kann sie nicht ernähren. Schweren Herzens macht sie sich auf die Reise, um in Spanien als illegale Immigrantin mit Putzjobs das Geld für die Familie zu verdienen. Wann sie ihre Kinder wiedersehen wird, steht in den Sternen.

    Ein wenig tritt Birkenstocks Film trotz des bewegenden Sujets auf der Stelle, hangelt sich etwas zu brav an den drei Biografien entlang. Zwischen den traurigen Bestandsaufnahmen spielt ein All-Star-Orchester zwölf Tangos, und da spürt man dann etwas von der unerbittlichen Kraft und strahlenden Erotik, die diese Tanzmusik prägt. Noch einmal stehen dabei die Bandoneon-Legende José Libertella und der Tenor Jorge Sobral auf der Bühne. Beide starben wenige Wochen nach dem Ende der Dreharbeiten.

    dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    -1°C - 8°C
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -4°C - 3°C
    Montag

    -4°C - 3°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!