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  • Kritik: Melancholischer Beziehungsreigen

    Ethnologe mit wackliger Handkamera

    In den Straßen von New York wimmelt es anscheinend vor Schauspielern, die auf der Jagd nach dem Glück fast nichts unversucht lassen. In seinem vierten Spielfilm "Seitensprünge in New York" knüpft der Regisseur und Schauspieler Edward Burns einen amüsant-melancholischen Beziehungsreigen, den man in dieser Kompromisslosigkeit schon lange nicht mehr zu sehen bekam.

    Sechs waschechte Großstadtneurotiker zwischen 20 und 40 geben Auskunft über die Irrungen und Wirrungen ihres Gefühlshaushaltes. Was wir schon immer über das Liebesleben der New Yorker wissen wollten - hier kommt es ganz ungeschminkt, fast wie in einer Reportage, zur Sprache. Da erzählt der arrogante Zahnarzt Griffin (Stanley Tucci), der sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat, dass er seine Frau zwar über alles liebt, aber auf die Freundin nicht verzichten kann. Dreist spricht er im Park die 19-jährige Ashley (Brittany Murphy) an und wickelt die unbedarfte Kellnerin mit seinem Imponiergeschwätz um den kleinen Finger. Eine seltsam trostlose Affäre nimmt ihren traurigen Lauf.

    Dabei hat sich der junge Türsteher Benjamin (David Krumholtz) in die naive Ashley verguckt. Der Bursche ist ziemlich hartnäckig, schreibt Liebesgedichte und lässt sich einfach nicht abwimmeln. Benjamin hat schon eine gescheiterte Ehe mit der Lehrerin Maria (Rosario Dawson) hinter sich. Maria wiederum lässt sich eher lustlos auf ein Techtelmechtel mit dem erfolgreichen TV-Produzenten Tommy (Edward Burns) ein - sie lernen sich in der Videothek kennen, wo beide die märchenhafte Romanze "Frühstück bei Tiffanys" ausleihen wollen. Von der Liebe träumen darf man ja noch. Der Kreis schließt sich, als Tommy Annie (Heather Graham), die betrogene Ehefrau von Griffin, kennen lernt. Die möchte ihrem Mann endlich die erlittenen Demütigungen heimzahlen...

    Wie ein Ethnologe kundschaftet der Regisseur Edward Burns seine Figuren aus, verfolgt sie mit wackliger Handkamera und erkundet genüsslich das Gefühlslabyrinth, in das sich diese Beziehungs- Jongleure allesamt heillos verstrickt haben. In nur 17 Tagen ist diese wie improvisiert wirkende Low-Budget-Produktion entstanden, und trotz einiger Längen wirken diese Geschichten von der Geschlechterfront erfrischend authentisch. Ein sanft ironisches "Hollywood Ending", wie es der Altmeister Woody Allen in seiner neuesten Komödie präsentiert, gibt es in diesem melancholischen Reigen natürlich nicht.

    von der Gathen, dpa

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