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  • Kritik: Melancholische Romanze mit Götz Georg

    Mit der melancholischen Romanze «Maria an Callas» legt die Autorenfilmerin Petra Katharina Wagner einen leisen, sehr intimen Film vor. Die beiden Hauptdarsteller Götz George und Claudia Michelsen («Der Tunnel») fesseln durch sensibles, zurückhaltendes und vielleicht gerade deshalb beim Zuschauer so nachwirkendes Spiel.

    Der Film ist eine Seelenstudie von zwei nach Schicksalsschlägen trauernden Menschen, die die Liebe wiederentdecken und damit neuen Lebensmut schöpfen. Die wenig aufwendige Produktion wirkt manchmal wie ein Kammerspiel. Die schleswig-holsteinische Ostsee-Steilküste bietet aber mit faszinierenden Aufnahmen vom Schneetreiben, von sehr, sehr starkem Regen mit Blitz und Donner oder von azurblauem Meer eine beeindruckende Naturkulisse. Sie wirkt wie ein Spiegelbild von den Gemütsverfassungen der Protagonisten.

    Und dann noch die tragende Rolle der Musik: Die Klänge einer Tanz-Swingband untermalen lebensfrohe Szenen, eine historische Aufnahme der Operndiva Maria Callas erklingt dagegen immer dann, wenn die Protagonisten vom Schmerz überwältigt die Wirklichkeit nicht ertragen können. Am Ende wird getanzt.

    Die Handlung: Nach dem Tod seiner geliebten Frau entdeckt der erfolgreiche Düsseldorfer Produktdesigner Jost (Götz George), dass diese eine geheime E-Mail-Freundin hatte. Er setzt nach einer Trauerphase und anfänglichen Bedenken die Korrespondenz in der Rolle seiner Frau Maria fort - Maria schreibt an «Callas», wie die Mailadresse von Anni (Claudia Michelsen) lautet. Der Clou dabei: Maria, schon schwer krank und ans Bett gefesselt, hatte in ihren E- Mails an Anni das spannende Leben ihres Mannes zwischen Mailand und New York als ihr eigenes geschildert. Und umgekehrt schrieb Anni Maria von ihrem angeblichen Edel-Hotel «Ritz Palace», das in Wahrheit eine trostlose Kneipe mit Bowlingbahn irgendwo an der Ostsee-Steilküste ist.

    Feiner, wortkarger norddeutscher Humor zeichnet den Film aus. Stardesigner Jost will, nachdem er im gemailten Foto einer von ihm entworfenen Tasse das Spiegelbild der schönen Anni entdeckt, diese kennen lernen. Er fährt mit seiner Edelkarosse die teuersten Hotels entlang der Ostsee-Steilküste an, um am Ende vor einem Backsteinhäuschen mit der defekten, viel zu großen Leuchtreklame «Ritz Palace» zu landen.

    Anni unterhält mit dem örtlichen Fischhändler - wunderbar norddeutsch kauzig gespielt vom Comedian Ingo Naujoks - ein gelegentliches Bettverhältnis, um zu vergessen. Ihr Mann und ihr Sohn starben bei einem Autounfall am Heiligabend 1995. Und so ist jedes Weihnachten eine Seelenqual für sie. Ein Jahr Psychiatrie hat Anni hinter sich, sie betreibt das nach dem Familiennamen Ritz benannte «Palace» mit ihrer Mutter, eindrucksvoll verkörpert von Monica Bleibtreu. In weiteren, liebevoll gestalteten Nebenrollen begeistern Esther Schweins, Anna Thalbach und ihre erst siebenjährige Tochter Nellie.

    Matthias Hoenig, dpa

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