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  • Kritik: Melancholische Komödie - vielfach preisgekrönt in Frankreich

    "Dieses Peeling wird Ihnen gut tun", sagt Kosmetikerin Angele mit sanfter Stimme zu ihrer Kundin, die in der Kabine auf dem Behandlungstisch liegt und sich das Gesicht mit einer Creme massieren lässt.

    Mit dem gleichen Ernst schwört die Chefin Nadine ihre Angestellten auf eine neue Creme ein, ein neuentwickeltes "Konzentrat gegen vorzeitige Hautalterung" mit "Tiefenwirkung", Kostenpunkt zirka 450 Francs. Mit Maniküre und Pediküre können wohl die meisten Männer noch etwas anfangen, doch Epilation, Lymphdrainage, Tiefenwirkung gehören zu einem Vokabular, dessen Kenntnis allein Frauen vorbehalten ist - schon im Teenageralter, wenn die Haut noch babyzart ist, werden sie mit Warnungen vor Falten terrorisiert.

    Das Besondere an dem französischen Streifen "Schöne Venus" ist, dass er das einst exklusiv weibliche Reservat eines Kosmetikinstituts (in das auch im Film immer öfter Männer kommen) eines Films für würdig befindet und die Rituale dieser Hohepriesterinnen des Narzissmus ohne Spott, höchstens mit selbstironischem Amüsement, vorführt. Andächtig wie Zauberformeln sprechen Angele, Samantha und Marie Worte wie "Liftingcreme für den Hals" aus und glauben selbst an die Wirkung. Ihre Kundinnen sind bei diesen in rosa Kitteln gekleideten freundlichen Frauen in den besten Händen.

    Das Institut "Venus Beaute" mit der rosafarbenen Neonreklame, hinter dessen Schaufenster man wie in einem Aquarium das gemächliche Hin und Her von Frauen beobachten kann, ist das warm schlagende Herz dieser melancholischen Komödie, ein einladender Ort für beide Geschlechter. Angele (Nathalie Baye) ist die Dienstälteste der Angestellten, eine mädchenhaft zarte Frau in den Vierzigern, deren Gesicht Kummer verrät; sie hat in ihrem Leben zu viele Frösche geküsst, und als sich der junge Antoine auf den ersten Blick in sie verliebt, lässt sie ihn rüde abblitzen.

    "Man darf sich nicht gehen lassen", verkündigt sie trotzig ihre Weigerung, sich zu verlieben. Aus Angst davor, wieder verlassen zu werden, zieht sie Affären einer echten Beziehung vor. Sie geht sogar so weit, eine Affäre vorzutäuschen, nur um Antoine, in den sie natürlich doch verliebt, loszuwerden. Das Einmaleins der Gefühle, Anziehung und Abstoßung, Abwehrmanöver und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen unvermeidlicher Liebeskummer - all das führt diese Liebesgeschichte exemplarisch vor. In einer Weise, die Verächter des Genres "typisch französisch" nennen würden, was bedeutet, dass viel geredet, aber wenig gesagt wird.

    Ein wenig wäre man in der Tat von den immer gleichen psychologischen Beziehungs-Subtilitäten angeödet, würde der Film sie nicht in so viele gut beobachtete Episoden verpacken. Da sind zum Beispiel die exzentrischen Kundinnen wie jene hochfahrende Exhibitionistin, die sich schon vor dem Gang auf die Sonnenbank entkleidet und einen Auflauf vorm Schaufenster auslöst, und luzide Bemerkungen wie von jener finanziell abhängigen Ehefrau, die beklagt, dass ihr Mann ihr zwar Reizunterwäsche und Kosmetik spendiert, aber keine gefütterten Stiefel: "Mein Problem ist, dass ich nicht arbeiten mag."

    Nie jedoch denunziert Regisseurin Tonie Marshall ihre weiblichen Figuren. Sie betrachtet sie mit einer Mischung aus Nachsicht und Bewunderung in ihrem vergebliche Kampf gegen die Zeit, und dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass dieser Film in Frankreich so viel Publikum fand und mit Preisen überhäuft wurde: Frau fühlt sich verstanden. In das gnädige weiche Licht des Schönheitssalons getaucht, erscheinen auch über 50-jährige Schauspielerinnen wie Nathalie Baye und Bulle Ogier seltsam alterslos: Rosa ist gut für den Teint. Wenigstens im Salon "Venus Beaute" ist für einige Stunden "la vie en rose".

    Birgit Roschy, AP

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