40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Melancholische Komödie
  • Kritik: Melancholische Komödie

    Sie ist glücklich verheiratet, hat zwei aufgeweckte Kinder, und trotzdem verspürt die Berliner Architektin Barbara Bärenklau (Hannelore Elsner) ein seltsames Unbehagen. Kurz vor dem 50. Geburtstag scheint ihr Leben aus den Fugen zu geraten, finanzielle Sorgen nagen an ihr, düstere Gedanken an die Vergangenheit verdunkeln die Stimmung.

    Diese eher banale Midlife-Crisis bildet den Ausgangspunkt für Rudolf Thomes schönes Alltagsmärchen "Rot und Blau". Mit wohltuender Gelassenheit erzählt der 1939 geborene Regisseur und Drehbuchautor nicht zum ersten Mal eine wundersame Geschichte, die trotzdem genau in der Gegenwart verortet ist. Thomes Protagonistin Barbara ahnt nicht, dass ihre erwachsene Tochter Ilke (Serpil Turhan) auf dem Weg nach Berlin ist, mit einem Koffer voll Geld. Die beiden haben sich seit 20 Jahren nicht gesehen, Ilke wuchs bei ihrem Vater auf, einem türkischen Teppichhändler. Nach dem Tod des Vaters will Ilke nun endlich ihre Mutter wiedersehen - und vielleicht eine neue Familie finden.

    Glückliche Zufälle steuern die Story

    Glückliche Zufälle steuern diese melancholisch grundierte Story. Schon im Zug lernt Ilke Barbaras Ehemann Gregor (Karl Kranzkowski) kennen, ein Computerfreak und liebenswerter Softie, der sich eine eigene Meinung lieber nicht leistet. In Berlin angekommen wird Ilke von dem sympathischen Privatdetektiv Samuel Eisenstein (Hanns Zischler) aufgenommen. Der trägt bunt karierte Sakkos, trinkt gerne Whiskey, und gibt kluge Ratschläge von sich. Bald hat der väterliche Typ Ilkes Mutter gefunden, es kommt zum Wiedersehen.

    Wunderbares Gespür für die Poesie des Augenblicks

    Es ist wahrlich nicht der Plot, der diesen Film trägt, es sind die mitunter magischen Momente. Barbara und Ilke treffen sich am Wannsee, sitzen auf einem Steg. Ein Sonnenstrahl fällt auf den Nacken der hübschen Tochter, dann verdunkelt eine Wolke das Bild. Solche Szenen und Begegnungen gibt es zuhauf in diesem Film, der immer etwas über der Realität zu schweben scheint. Rudolf Thome, der seit den sechziger Jahren Spielfilme dreht, hat ein wunderbares Gespür für die Poesie des Augenblicks. Dabei ist Diskretion seine größte Stärke. Der Film lässt den Figuren ihr Geheimnis.

    Anspielungen sind wichtiger als Tatsachen

    Anspielungen sind in "Rot und Blau" wichtiger als Tatsachen. So schmuggelt Thome in die Familiengeschichte eine konspirativ angehauchte Krimihandlung mit ein. Natürlich löst sich alles in Wohlgefallen auf, Barbara feiert in der Uckermark ihren 50. Geburtstag, bekommt einen roten Sportwagen geschenkt, und ihre verloren geglaubte Tochter singt türkische Volkslieder. Das muss man entweder mögen, kann man aber auch nur schrullig finden. Zum Showdown prügeln sich dann zwei erwachsene Männer um eine Frau - wie in einem Western von Howard Hawks.

    Johannes Vondergarten, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!