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  • Kritik: Mel Gibson als Antiheld auf Rachefeldzug

    Gefährlich wie ein angeschossenes Raubtier taucht ein Mann im Großstadtdschungel auf. In einem Hinterzimmer hat er sich von einem Kurpfuscher zwei Kugeln aus dem Rücken schneiden lassen, und nun tut Porter, was einer wie er tun muß: Abrechnen, und zwar bei seinem Komplizen Val, der ihn beim gemeinsamen Coup, einem Raubüberfall auf die Chinesenmafia, gelinkt hat.

    "Payback - Zahltag" mit Mel Gibson in der Hauptrolle variiert einmal mehr das Thema "Allein gegen den Rest der Welt" in einer seltsamen Mischung aus erbarmungsloser Brutalität und rabenschwarzer Ironie. Am Donnerstag, 11. März, startet der Thriller in den deutschen Kinos.

    Zunächst taucht Porter bei seiner Frau Lynn (Deborah Kara Unger) wieder auf. Sie erstarrt wie vor einem Geist, denn sie ist es, die auf ihn geschossen und Val damit zur ganzen Beute verholfen hat. Er brauchte dringend 130.000 Dollar, um beim Verbrechersyndikat The Outfit Schulden zu bezahlen, und hatte bei den überfallenen Chinesen mindestens 350.000 Dollar erwartet. Doch es sind nur 140.000, also ist Halbe-halbe mit Porter nicht mehr drin.

    Die drogensüchtige Lynn entzieht sich der Rache Porters durch den goldenen Schuß. Es dauert nicht lange, bis Porter weiß, wo Val steckt. Er nimmt dazu Verbindung zu der Prostituierten Rosie auf, für die er einmal als Fahrer und Bodyguard gearbeitet hat und die nun für das Syndikat arbeitet. Val (Gregg Henry) ist ein ganz übler Typ mit psychopathischen Zügen, ein Sadomasochist, der Gefallen daran hat, von einer chinesischen Domina Tiefschläge verpaßt zu bekommen, andererseits selbst Gegner terrorisiert, die sich nicht wehren können.

    Sein Vorgesetzter im Syndikat traut ihm nicht zu, daß Problem Porter selbst zu lösen, also muß sich Porter nun auch vor dem Syndikat, den auf Rache sinnenden Chinesen und obendrein noch ein paar korrupten Polizisten in acht nehmen. Klar, daß das nicht ohne Leichen abgeht: Porter schießt ohne Umwege in den Kopf, noch bevor der Gegner ahnt, wie ernst die Lage ist. Damit kommt er Schuß für Schuß dem allerobersten Syndikatboß näher. Um aber seine 70.000 Dollar zu bekommen, braucht er mehr als seine Waffe. Er entwirft einen Plan, bei dem ihm Rosie helfen wird. "Du bist das einzig Gute, was mir je passiert ist", sagt er ihr. "Durch dich habe ich gemerkt, daß ich nicht schon längst in der Hölle bin."

    Mel Gibson, der den Film auch produziert hat, sagt über seine Rolle als Porter: "Abgesehen davon, daß er Menschen tötet und stiehlt, ist er kein schlimmer Kerl." Regisseur Brian Helgeland erklärt: "Ich will endlich mal einen Bösewicht als Helden zeigen, aber dabei will ich seine Handlungsweise keineswegs entschuldigen." Zur unkritischen Identifikation lädt die Figur Porter jedenfalls kaum ein, denn es ist höchst zweifelhaft, ob die Rechnung für ihn am Ende stimmt: Auch er "bezahlt" für das, was er provoziert hat.

    Endzeitstimmung verbreitet dazu die in bläulichem Schwarz und Weiß gehaltenen Szenerie einer namenlosen, heruntergekommenen Großstadt. Man kann sie als Metapher auf die kaputte Gesellschaft verstehen oder aber einfach als modisch interessante "Location". Darauf, was die männlichen Fans an solchen Thrillern reizt, gibt Mel Gibson einen Hinweis: "Wenn man sich auf diese Welt einläßt, erlebt man einen wunderbaren Trip, echt abgedreht. Wir erleben Sachen, die in einer rücksichtsvollen Gesellschaft undenkbar wären."

    Sehenswert an diesem Remake von "Point Blank" (1967) mit Lee Marvin sind die knorrigen und souveränen alten Haudegen Kris Kristofferson, James Coburn und William Devane als Syndikatsbosse Bronson, Fairfax und Carter. Sie umgeben sich mit teurer Eleganz und treten wie solide Geschäftsmänner auf.

    Inge Treichel, AP

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