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    Kritik: Mein Freund ist Neandertaler

    «Do you speak English?», fragt Sophie erschrocken den archaisch aussehenden, wild gekleideten Fremden, der mitten im Hochgebirge vor ihr auftaucht. Als Antworten schnuppert der Junge an dem 12-jährigen Mädchen und gibt seltsame Laute von sich.

    Beide stammen aus unterschiedlichen Welten: Sophie ist Hamburgerin, ihr Gegenüber Bataa ein veritabler Neandertaler, durch Meteoriteneinschlag aus langem Schlaf im Gletschereis erwacht. Wie beide gemeinsam ihren Weg fortsetzen und zu Freunden werden, das erzählt der märchenhafte und ambitionierte, doch nicht völlig überzeugende Jugendfilm «Lapislazuli Im Auge des Bären» von Wolfgang Murnberger.

    Der österreichische Regisseur errang bisher unter anderem für seine Adaptionen von Wolf-Haas-Krimis («Komm, süßer Tod», 2000; «Silentium», 2004) Anerkennung. Als Beitrag zum Neandertaler-Jubiläumsjahr verstehen Murnberger und sein Hamburger Co-Drehbuchautor Volker Krappen das neue Werk wurden doch 1856 in einem Steinbruch bei Düsseldorf Überreste des vor 40 000 Jahren ausgestorbenen Urmenschen erstmals entdeckt.

    Ein wenig über die Lebensweise des frühen Homo sapiens erfährt der Zuschauer denn auch: Im Gegensatz zu Sophie (ernsthaft, doch etwas steif: Julia Krombach), die unglücklich mit ihrer Patchwork-Familie ist und sich auf der Flucht zur Großmutter verirrt hat, kommt der sich geschmeidig bewegende Bataa bestens in der Natur zurecht. Er fängt einen Hasen, macht Feuer, baut eine Bärengrube, will die Totenhöhle seiner Ahnen finden. Ein Aborigine-Junge aus Australien mit Schauspieler-Erfahrung, Clarence John Ryan, gibt damit sein respektables Leinwanddebüt.

    Doch eigentlich geht es im Film um das Erkennen des Gemeinsamen im vermeintlich Fremden, um den universellen Wert von Familie und Heimat: Beide Kinder vermissen dieses Zugehörigkeitsgefühl, machen sich daher auf die Suche die im Falle Bataas von übereifrigen Wissenschaftlern bedroht wird.

    Bei ruhigen, angenehm unkitschigen Bildern der grandiosen österreichischen Alpenlandschaft vermittelt die Geschichte ihre Botschaften allerdings überdeutlich eher wie auf dem Reißbrett entworfen und behauptet als lebendig entwickelt. Auch renommierte Darsteller wie Lena Stolze («Das schreckliche Mädchen», 1990; «Rosenstraße», 2003) als Sophies Stiefmutter können das nicht ändern. Einen eigentümlichen Part übernahm der vielfach bewährte Vadim Glowna: Äußerlich in einen wahren Alm-Öhi verwandelt, gibt der 65-Jährige einen intellektuellen Aussteiger, der auf Bergeshöhen Mineralien sammelt. Dank seines esoterischen Wissens findet er Zugang zu den inneren Welten des jungen Neandertalers.

    Ulrike Cordes, dpa

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