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  • Kritik: Mehr als nur ein Boxheld

    Der "Jahrhundertkampf" im Herzen Afrikas

    Ali war und ist ein Mann, dessen Persönlichkeit auch seinen Feinden Respekt abfordert. Es war daher unvermeidlich, dass dieser Held aus dem richtigen Leben auch einer auf der Leinwand werden würde. Kurz und knapp "Ali" ist nun der Titel des Films, der ab dem 15. August in die Kinos kommt.

    Es gab Anlass genug zur Befürchtung, diese Kinobiografie des mehrmaligen Weltmeisters aller Klassen könnte zur sportlichen Heldenverklärung, zum privaten Enthüllungsmelodram oder gar zur ungenießbaren Mischung aus beidem missraten.

    Boxerstudie und spannendes Zeitgemälde

    Doch Regisseur Michael Mann, seine Drehbuchautoren sowie Will Smith in der Titelrolle haben einen Film abgeliefert, der nicht nur eine sehr differenzierte Studie Muhammad Alis zwischen 1964 und 1974, sondern auch ein spannendes Zeitgemälde jener Jahre zeichnet.

    107 Millionen Dollar hat die Hollywood-Produktion gekostet, 156 Minuten lang ist die Kinofassung geworden. In den USA keineswegs ein kommerzieller Erfolg, ist "Ali" doch ein Film mit bemerkenswerten Qualitäten geworden: Die sehr exakt den Originalkämpfen nachgestellten Kampfszenen im Boxring gehören zum Besten, was je in dieser Art auf der Leinwand zu sehen war.

    Respekt, Mr. Smith!

    Und Will Smith, bislang eher als schlagfertiger Spaßvogel aus den "Men in Black"-Kassenhits bekannt, steigert sich in eine darstellerische Leistung, die größten Respekt abnötigt.

    Der Film zeigt zu Beginn, wie der jugendliche Olympiasieger von Rom 1960 den gefürchteten Schläger Sonny Liston im Februar 1964 besiegte und damit Weltmeister wurde. Das war eine Überraschung, die viele dem so provokant als Prahlhans auftretenden Jüngling aus Louisville in Kentucky nicht zugetraut hatten.

    Sportlicher Überraschung folgte Kultur-Schock

    Aber es war ein regelrechter Schock, als der gut aussehende Schwarze am Tag danach seinen Übertritt zum Islam bekannt machte. Aus dem Sklaven-Nachkömmling Cassius Clay war der Champion Muhammad Ali geworden, dessen neuer Namen übersetzt "der Lobpreisung würdig" bedeutet.

    Wer den Boxsport liebte, der konnte den so leichtfüßig um seine Gegner tänzelnden, ihren Schlägen fast immer mit phänomenalen Reaktionen ausweichenden Ali gar nicht genug lobpreisen. "I Am The Greatest" rief und sang dieser attraktivste Faustkämpfer aller Zeiten, dem Publikum gefiel das, zumal das notorische Großmaul von Sieg zu Sieg eilte. Dass aber noch mehr in ihm steckte, bewies Ali 1967 auf der Höhe seines Ruhms und Könnens: Er verweigerte aus Gewissensgründen den Armeedienst und nahm sogar die Verurteilung zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe auf sich.

    Diese blieb ihm erspart, nicht aber eine jahrelange Zwangspause als Boxer. 1971 unterlag er beim Comeback zwar nach blutiger Schlacht gegen Joe Frazier. Doch Ali holte sich den Titel zurück, gekrönt von dem "Jahrhundert-Kampf" gegen den hohen Favoriten George Foreman in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Die Ereignisse dort gehören zu den Höhepunkten des Films. Ob die privaten Turbulenzen mit drei Ehen in diesen zehn Jahren richtig nachgezeichnet werden, kann schlecht beurteilt werden. Etwas oberflächlich bleiben diese Szenen aber schon.

    Legende soll nicht ohne Not beschädigt werden

    Das Gerangel zwischen schwarzen Radikalen um die Gunst des weltberühmten Sportlers wird allerdings gut sichtbar. Der in jeder Weise so schlagfertige Mann erscheint in dieser Beziehung eher als ein Getriebener. Hauptdarsteller Smith hat seine besten Szenen, wenn er stumm diese inneren Konflikte Alis widerzuspiegeln versteht. Es mag sein, dass Michael Manns Film kritikwürdige Seiten Alis zu sehr ausblendet. Aber der seit Jahren schwer an der Parkinson-Krankheit leidende Boxer ist bereits zu Lebzeiten eine Legende, die nicht ohne Not beschädigt werden muss. Der Preis für den Ruhm ist für Muhammad Ali ohnehin hoch genug gewesen.

    Wolfgang Hübner, AP

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