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  • Kritik: Megs Neuer kommt aus der Vergangenheit

    Früher waren Männer viel netter

    Leopold (Hugh Jackman), ein schmucker englischer Graf im New York des Jahres 1876, fällt durch ein `Zeitfenster" direkt in das Appartement von Stuart, eines chaotischen Erfinders im New York von heute. Nach der charmant-rasanten Einführung in die Handlung - Stuart reist in die Vergangenheit, fotografiert mit einer Minikamera einen rauschenden Ball und wird von dem neugierigen Grafen bis in die Gegenwart und in sein Appartement verfolgt - dauert es nicht lange, bis eine allzu bekannte schlaksige Person auf der Bildfläche erscheint.

    Stuarts Ex-Freundin Kate, die im Stockwerk über ihm wohnt, steigt über die Feuerleiter in Stuarts Appartement ein und löst beim Grafen Liebe auf den ersten Blick aus. Die nunmehr 40-jährige Meg Ryan hat in einem Interview kürzlich zugegeben, dass sie `die Rolle des Lieblings der Nation wahrscheinlich ausgereizt" habe. Mehr als je zuvor gerät ihr niedliches Image zu Pose - als vordergründig beinharte, in Wirklichkeit aber verletzliche Karrierefrau, die, natürlich, in einer Werbeagentur arbeitet, bleibt sie in diesem Film als ein Bündel von zappligen Manierismen in Erinnerung.

    Wieso der distinguierte Graf sich in die hektische Frau mit der besonders unkleidsamen Zottelfrisur verliebt, bleibt das Geheimnis von Regisseur und Ko-Drehbuchautor James Mangold, der sich bemüht, die weit hergeholte Liebesgeschichte mit dem Gegensatz zwischen viktorianischer Benimmkultur und amerikanischer Hemdsärmeligkeit aufzupeppen. Leopold, Kavalier alter Schule, umwirbt Kate mit einem Diner bei Kerzenlicht, hält ihr die Tür auf, schickt Blumen und ist so gentleman-like und zurückhaltend, dass einmal der Verdacht aufkommt, er sei schwul.

    Die technischen Details und die Paradoxien der Zeitreise werden bald beiseite gewischt - wenn auch Leopold in einem Lexikon als der Erfinder des Aufzugs verzeichnet ist, was zu einigen mysteriösen Unfällen in den Wolkenkratzern der Gegenwart führt.

    `Kate Leopold" entpuppt sich schnell als moderner Groschenroman, der den alten Wunschtraum des Aristokraten, der ein bürgerliches Aschenputtel zu sich heraufzieht, neu belebt. Vor allzu frühem Kitsch bewahren noch ein paar anfängliche Gags über den `Culture Clash" zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert - etwa, als der Graf von einer schwarzen Streifenpolizistin dazu angehalten wird, das Malheur von Stuarts Hund zu entsorgen.

    Und auch Liev Schreiber als chaotischer Stuart und Ur-Ur-Ur-Enkel von Leopold hat einige Slapstick-Szenen, als er schon aus Existenzangst dem verhinderten Liebespaar Kate und Leopold auf die Zeit-Sprünge hilft. Wird die emanzipierte Kate ihre Zweifel an ihrem romantischen Verehrer überwinden und in Leopold ihr Schicksal erkennen? So was fragt man sich freilich nicht in einem Meg-Ryan-Film.

    Doch Regisseur Mangold und seiner Hauptdarstellerin gelingt es nicht, den Weg zum Happy End mit Spannenderem als mit sentimentalen Deja-vus und quälend vorhersehbaren Situationen zu pflastern. Dass diese anachronistische Fisch-sucht-Fahrrad-Romanze schließlich in der Vergangenheit ankommt, ist nur konsequent. Früher - Leopold ist der lebende Beweis - waren Männer viel netter. Und kochen konnten sie auch noch.

    Birgit Roschy, AP

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