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  • Kritik: Meg Ryan in neuem Licht

    Es ist eine der Überraschungen dieses Kinojahres: Da erscheint ein neuer Film mit Meg Ryan - und es ist ausnahmsweise keine Herzschmerz-Komödie.

    Die Schauspielerin, die mit Streifen wie «Harry und Sally» oder «Schlaflos in Seattle» zwar Kassenknüller in Serie produzierte, aber von seriösen Kritikern stets ein wenig belkächelt wurde, befreit sich mit ihrem neuen Film «In the Cut» endgültig vom Image des niedlichen, romantischen und ewig lächelnden Püppchens.

    Facettenreich wie selten zuvor zeigt sich die 42-Jährige in ihrer Rolle als desillusionierte Frau mittleren Alters von ihrer ernsten und verletzlichen Seite. Würde nicht gelegentlich Ryans bewährter Charme aufblitzen - man wünschte sich sogar irgendwann ihr altes Lächeln zurück.

    Die Eindringlichkeit in Meg Ryans Spiel hat ihren Ursprung in der akribischen Rollenarbeit mit Regisseurin Jane Campion, für die Realismus in dem Thriller «In the Cut» höchsten Stellenwert hatte: Die Bars sind schäbig, die Seitenstraßen düster und die Menschen äußerlich und innerlich vom Leben abgenutzt wie die matten Farben auf der Leinwand.

    Mit beinahe schamlosen Nahaufnahmen und einer an Dokumentarfilme erinnernden Kameraführung entführt die für «Das Piano» gefeierte Regisseurin die Kinobesucher in die Lower East Side von Manhattan, wo ein Frauenkiller unterwegs ist. Die Morde sind brutal, seine Opfer hinterlässt der Täter mit abgetrennten Gliedmaßen und - als Markenzeichen - mit einem Verlobungsring am Finger.

    Unvermittelt in den mysteriösen Fall hineingezogen findet sich Meg Ryan alias Franny. Im Halbdunkel einer Bar beobachtet die Literaturprofessorin zufällig eine Oralsexszene. Dieses Bild fasziniert den bis dahin sexuell leidenschaftslosen Single, das Paar geht Frannie nicht mehr aus dem Kopf. Doch dann erfährt sie, dass die Frau aus der Szene noch in der gleichen Nacht dem Serienmörder zum Opfer gefallen ist. Plötzlich sieht sie sich selbst in Gefahr.

    In ihrem Gefühlszustand der Erregung und Angst verstrickt sich Franny in eine Affäre mit dem ermittelnden Polizisten Mallroy, souverän gespielt von Mark Ruffalo («Studio 54», «30 über Nacht»). Damit beginnt für sie eine emotionale Achterbahnfahrt, aus der auch ihre verzweifelte Halbschwester (Jennifer Jason Leigh) und ihr verrückter Ex-Freund (Kevin Bacon) sie nicht befreien können.

    Frannys Beziehung mit dem undurchsichtigen und groben Mallroy erweist sich als Rückgrat dieses intelligenten Thrillers, der auf Susanna Moores Roman «Aufschneider» basiert. Vor den Augen des eigentlich auf Spannung gepolten Zuschauers reift behutsam eine Liebe zwischen zwei innerlich verletzten Menschen heran, von der niemand weiß, ob sie vom Schrecken der Geschehnisse gespeist oder gehemmt wird. Diese Frage macht den knapp zweistündigen Film zu etwas Besonderem: «In the cut» ist ein origineller «Liebeskrimi», Lovestory und Thriller sind eindrucksvoll und untrennbar verwoben.

    Mit dem Film scheint Campion auf der Suche nach den Bildern hinter den Bildern zu sein. Durch ihren poetischen Blick in die dunklen Tiefen und auf die gefühlvollen Seiten der Menschen erscheint vieles in einem neuen Licht - nicht nur Meg Ryan.

    dpa

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