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  • Kritik: Mauerfall hinterm Kneipentresen

    Ein Dutzend Bier pro Abend, weitgehend sinnentleerte Gespräche mit anderen Biertrinkern über Bier, ins Bett fallen und das Bier ausdünsten - aus mehr besteht Frank Lehmanns (Christian Ulmen) Leben im Kreuzberg des Jahres 1989 nicht. Mehr verlangt der "Held" in Leander Haußmanns Romanadaption "Herr Lehmann" auch gar nicht.

    Franks Alltag als Tresenkraft verläuft in geordneten Bahnen und ist unbelastet von jeglicher Verantwortung. Er hat sich eingerichtet im Kreuzberger Kiez, jenem übersichtlichen Paralleluniversum, in dem Lebenskünstler aller Art ihren way of life gegen Veränderung verteidigen. Auch Frank weigert sich standhaft, Erwachsenwerden auch nur in Erwägung zu ziehen.

    Doch selbst durch die Enklave Kreuzberg weht 1989 der "Wind of change". Frank steht kurz vor seinem 30. Geburtstag, weshalb für seine Freunde aus Frank "Herr Lehmann" wird. Nur eine erste Irritation. Der Film verknüpft geschickt die persönliche und politische Ebene: Die Welt "da draußen" trudelt dem Mauerfall entgegen und die Herausforderungen, denen Frank sich stellen muss, wachsen: Die Wende, erzählt aus der Perspektive eines vordergründig Unbeteiligten.

    Zu Anfang streut Regisseur Leander Haußmann nur einige unauffällige Hinweise auf die bevorstehenden Ereignisse in seine Verfilmung des Bestsellers von Sven Regener (der auch das Drehbuch schrieb). Hier eine Zeitungsmeldung, dort eine Nachrichtensendung im Hintergrund. Herr Lehmann ignoriert sie und müht sich ohne großen Erfolg, eine Romanze mit der resoluten Köchin Katrin (Katja Danowski) anzufangen. Der Charme der Bierphilosophie zieht aber einfach nicht mehr so wie früher.

    Je näher der 9. November rückt, umso mehr steigert sich der Film zur grotesken Farce. Frank hat mit seinen Eltern, den Zollbehörden der DDR und dem Nervenzusammenbruch seines besten Freundes Karl (Detlev Buck), ebenfalls Tresenkraft, aber "eigentlich" Künstler, zu kämpfen. Christian Ulmen kämpft mit seiner Rolle als zunehmend desillusioniertes, mitunter betrunkenes Kind im Manne - und schlägt sich umso besser, je mehr seine Figur in der Handlung vor dem Scheitern steht.

    Die Kamera wiederum kämpft darum, möglichst viel Lokalkolorit einzufangen. "Herr Lehmann" sieht aus, als sei er mit dem Stadtplan in der Hand gedreht worden. Der Film setzt auf den nostalgischen Wiedererkennungswert der Lokalitäten. Reizvoll für Berlin-Kenner, die sich auch auf einige Insider-Witze freuen können, zäh für Otto-Normal-Zuschauer. Diesem bleiben als Mehrwert immerhin einige Anregungen für bierphilosophische Kneipengespräche.

    Steffen Becker, ddp

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