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  • Kritik: Malicks faszinierendes Anti-Kriegsepos

    Guadalcanal 1943: Ein Krokodil taucht träge in das grüne, brackige Wasser ein. Träumerisch streift die Kamera minutenlang durch den Dschungel, der Bilder paradiesischer Schönheit offenbart: Riesige Baumäste, die sich sanft im Wind wiegen, knallbunte Papageien und farbenprächtige Korallenriffe. Doch diese trügerische Stille ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

    In seinem faszinierenen Anti-Kriegsfilm "Der schmale Grat" schildert der amerikanische Autor und Regisseur Terrence Malick ("In der Glut des Südens"), wie eine US-Kompanie während des Guadalcanal-Konflikts im Kampf gegen die Japaner in ein unberührtes Naturparadies eindringt: episch, ergreifend, erschreckend.

    Mit diesem imposanten Leinwandspektakel, das in deutscher Uraufführung im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin präsentiert wurde, ist der amerikanische Regisseur nach über zwanzig Jahren Drehpause wieder auf den Regiestuhl zurückgekehrt. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung, wo "Der schmale Grat" in sieben Kategorien nominiert ist, tritt er damit gegen Steven Spielbergs Kriegsdrama "Der Soldat James Ryan" an. "Obwohl es in beiden Filmen um den Zweiten Weltkrieg geht, lassen sie sich kaum miteinander vergleichen", meint Grant Hill, der Produzent des Films, "weil sie vom Stil her sehr unterschiedlich sind."

    Malick hat sich bewußt nicht auf einzelne Schicksale konzentriert, weil er keine eindeutige Position beziehen wollte. Wenn die Soldaten darin die Feinde sehen, wirkt es, als blickten sie in ihre eigenen Gesichter. "Es ist ein starkes Element des Films, den Zuschauern nicht das Gefühl zu vermitteln, daß es eine gute und eine schlechte Seite gibt, denn in dieser Situation ist die Realität für jeden individuellen Menschen grauenvoll", sagt Hill. Im Mittelpunkt des bildgewaltigen Mosaiks steht stattdessen die Natur. "Es war uns wichtig zu zeigen, daß eine Schlacht nicht in der Isolation stattfindet, sondern an einem realen Ort in einer natürlichen Umgebung."

    Um in diesem Anti-Kriegsdrama mitwirken zu können, haben Hollywood-Stars wie Sean Penn, Nick Nolte, Woody Harrelson oder George Clooney auf hohe Gagenforderungen verzichtet. "Ich habe zugesagt, weil ich unbedingt mit Terrence Malick zusammenarbeiten wollte", sagt Sean Penn, "als er sich vor zwanzig Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog, hatte ich das Gefühl, als ob eine bestimmte Gattung großer Künstler plötzlich ausstirbt."

    Gedreht wurde zum überwiegenden Teil in Australien. Nach rund hundert Drehtagen reiste eine kleinere Crew zu den Salomon-Inseln im Pazifik, wo die Szenen mit den Ureinwohner aufgenommen wurden. "Die Schlachtfelder dort sahen fast noch so aus wie zu Kriegsende", berichtet der Produzent. "Es liegen immer noch viele Überreste aus dem Krieg mitten im Dschungel, und die Menschen leben damit."

    Die Musik zu "Der schmale Grat" schuf der deutsche Komponist Hans Zimmer, der damit ein weiteres Mal für den Oscar nominiert wurde. "Die Musik sollte keine typischen Klischees wie patriotische Gefühle und emotionalen Heroismus vermitteln, wie man sie aus vielen alten amerikanischen Kriegsfilmen kennt", sagt Zimmer. Mit seinem Leinwandepos ist es Malick in der Tat gelungen, den Zuschauer in die gleiche beklemmende Sogwirkung zu ziehen wie seine Protagonisten, die auf ihrem Marsch durch den Dschungel nicht wissen, was sie hinter der nächsten Wegbiegung erwartet.

    Birgit Heidsiek, dpa

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