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  • Kritik: MärchenHorror von Terry Gilliam

    Märchen werden heutzutage viel zu niedlich dargestellt, fand Kultregisseur Terry Gilliam. Und so tauchte er seinen neuen Film «Brothers Grimm», eine Fantasie darüber, wie die berühmten Brüder Grimm zu ihren Geschichten gekommen sein könnten, in atemberaubende, düstere Bilder.

    Ein verwunschener Wald mit lebenden Bäumen und Wurzeln, der Menschen spurlos verschlingen kann, Rauch, Staub, Dreck und Dunkelheit - die Welt um Wilhelm und Jacob Grimm ist eher purer Horror als im entferntesten märchenhaft.

    Die beiden ziehen bei Gilliam als eine Art Wander-Geisterjäger durch das von Napoleons Truppen besetzte Deutschland an der Schwelle zum 19. Jahrhundert und erlösen abergläubische Bürger von Hexen und anderen übersinnlichen Gefahren - für üppige Bezahlung, versteht sich. Jacob (Heath Ledger) ist dabei eher ein verträumter Geschichtensammler ganz im Gegensatz zum praktisch bis zynisch veranlagten Wilhelm (Matt Damon).

    Das Treiben der beiden Brüder - die im wirklichen Leben natürlich Bücherwürmer und keine Abenteurer waren - entgeht den Franzosen nicht und General Delatombe (Jonathan Pryce) hat einen Auftrag für sie: Im Dorf Marbaden verschwinden Kinder, allesamt kleine Mädchen. Unter Todesdrohung sollen die beiden das mutmaßliche Verbrechen aufklären.

    Was die Grimms in dem armseligen, halbzerfallenen Ort antreffen, übersteigt alle Vorstellungskraft. Die Bewohner leben in Angst vor einem Fluch, der angeblich auf der Gegend lastet, Mitten im Wald steht ein «Rapunzel»-Turm ohne Türen, in den einst die schöne Königin (Monica Bellucci) vor der Pest geflüchtet sein soll, wie die Legende besagt, und die Geschehnisse werden von Tag zu Tag unheimlicher.

    Der 64-jährige Gilliam, der schon Meilensteine mit Filmen wie «Brazil», «12 Monkeys» oder «Fear and Loathing in Las Vegas» gesetzt hat, baut auf die Magie der Bilder, die gnadenlos ins Gedächtnis dringen. Da ist das Mädchen mit einer roten Kappe, das verfolgt von schwarzen Raben-Scharen durch den Wald flüchtet, Wurzeln, die wie Schlangen am Boden schlingern, wandelnde Bäume und die drückende Atmosphäre der Bedrohung am gespenstischen Turm der Königin.

    Immer wieder flechtet Gilliam Märchen-Motive ein wie Hänsel und Gretel, die im Wald herumirren, oder gläserne Schuhe oder den Lebkuchen-Mann. Die Grimm-Märchen hätten ihm in der Kindheit Albträume beschert, sagte der Regisseur in Interviews. «Sie haben mich zwar eingeschüchtert, aber sie hatten alle ein gutes Ende.» Er habe versucht, den Film so nahe wie möglich an die Original-Geschichten zu bringen. Dazu kommt eine gehörige Portion schwarzen Humors, wie von einem alten «Monty-Python»-Mitglied wie Gilliam auch nicht anders zu erwarten war.

    Der Film hatte - wie alle Gilliam-Streifen - kein leichtes Schicksal. Der Start wurde um ein Jahr verschoben, nachdem sich Gilliam vehement geweigert hatte, den Film an Forderungen der Studio-Manager anzupassen. Gilliam gibt zu, er sei ziemlich kompromisslos gewesen, nachdem kurz zuvor sein Film «The Man Who Killed Don Quixote» nach Unwetterschäden und einer Verletzung des Hauptdarstellers Jean Rochefort kurzerhand von der Produktionsfirma gestoppt worden war.

    Die «Grimms» polarisierten US-Kritiker mit seltener Radikalität - sie fanden dem Film entweder großartig oder schrecklich. Aber mit Kritikern hat Gilliam sowieso eine eigene Rechnung: Bisher haben sie praktisch jeden seiner Filme verschmäht.

    dpa

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