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  • Kritik: Märchen mit Mängeln: "Pocahontas"

    Die Walt Disney Company geht nicht sparsam mit Superlativen um, wenn es gilt, Millionen Zuschauer in die Kinos zu locken. Doch kommerzieller Erfolg und künstlerischer Anspruch sind zwei Paar Schuhe. Als "Meisterwerke" in jeder Hinsicht glänzten unter den neueren Disney-Produktionen nur "Arielle", "Aladdin" oder "Die Schöne und das Biest". Verglichen mit diesen Märchen verdient der 33. abendfüllende Disney-Zeichentrickfilm das Prädikat "Meisterwerk" nicht. "Pocahontas" ist eine eher banale Ethno-Sage, die auf einer wahren Begebenheit basiert: Die zwölfjährige indianische Prinzessin Pocahontas bewahrte im 17. Jahrhundert den englischen Kolonialoffizier John Smith vor der Hinrichtung durch ihren Vater, den Häuptling der Powhatan. Der Film macht daraus eine Liebesgeschichte: Nachdem sich die beiden im amerikanischen Virginia zum ersten Mal im Wald begegnet sind, versuchen sie über alle Grenzen hinweg beieinander bleiben zu können. Doch der blonde Beau John Smith muß zurück nach England. Und somit bleiben der anmutigen Pocahontas, der flinken Gazelle des dichten Waldes, nur die Erinnerungen an eine kurze, romantische Begegnung und das Spiel mit dem kecken Waschbären Keeko und dem flinken Kolibri Flit.

    Auch wenn in "Pocahontas" wieder in den höchsten Tönen gesungen wird, die Bilder sich in ihrer computeranimierten Farbenpracht auf der Großleinwand entfalten wie ein kunterbunter Schmetterling, so täuscht der Film doch nicht über seine eklatanten Mängel hinweg. Die Figuren sind - für einen Disneyfilm - einfallslos gezeichnet, den Charakteren fehlt es an Format, dem ganzen Werk an Leben. Wären nicht die possierlichen Tiere Flit und Meeko, die immer wieder für Trubel im Paradies sorgen - der Zuschauer hätte wenig zu lachen. Trotz allem: Kinder sehen die Welt, auch die im Kino, mit anderen Augen.

    "Pocahontas", USA 1995: 78 Minuten. FSK: ohne Begrenzung. Kopien: keine Angaben. Musik: Alan Menken, Stephen Schwartz. Regie: Mike Gabriel.

    "Pocahontas", USA 1995: 78 Minuten. FSK: ohne Begrenzung. Kopien: keine Angaben. Musik: Alan Menken, Stephen Schwartz. Regie: Mike Gabriel.

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