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  • Kritik: Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs

    Tatort Küche: Ein Mann sitzt auf einem Hochstuhl in der Ecke, der andere am Tisch, er isst Schokolade. Keiner spricht, es herrscht absolute Stille. Draußen schneit es. Die Küche, die Männer, die Stille - das sind die Schlüsselmotive in dem norwegischen Film "Kitchen Stories".

    "Es ist eine Geschichte über die Freundschaft", sagt Regisseur und Drehbuch-Autor Bent Hamer. In Norwegen und Schweden feierte er mit dem wortkargen Film große Erfolge - nicht zuletzt, weil es immer auch ein bisschen um das (von Vorurteilen belastete) Verhältnis zwischen den Nachbarländern geht.

    Die Vorlage zu der Erzählung lieferte Hamer das schwedische Forschungsinstitut Für Heim und Haushalt. Dieses hatte in den 50er Jahren die schwedische Hausfrau in der Küche unter die Lupe genommen und nach gründlichen Studien eine bessere Anordnung der Küchengegenstände gefordert. Denn die Durchschnittsfrau legte in ihrem Reich im Jahr eine Strecke zurück, die der zwischen Schweden und dem Kongo entspricht, fanden die Forscher heraus.

    Vorbedingung: Kein persönlicher Kontakt erlaubt

    Von den bahnbrechenden Ergebnissen ausgehend drehte Hamer die Geschichte weiter: Diesmal geht es den Schweden um das Verhalten allein stehender norwegischer Männer in der Küche. Das Institut entsendet Beobachter in das kleine, abseits gelegene norwegische Dorf Landstad kurz hinter der schwedischen Grenze. Die Männer reisen in ihren Wohnwagen an, bauen in den Küchen ihre Hochstühle auf, zücken Papier und Bleistift, und das Experiment beginnt. Bedingung dabei: Zwischen Beobachter und Versuchsobjekt darf kein persönlicher Kontakt entstehen, und sie dürfen schon gar nicht miteinander reden.

    "Ich wollte extra nur Männer haben, um das sexuelle Potenzial zwischen den Handelnden auszuschließen", erklärt Hamer. Zudem sei es einfacher, diese Form der Kommunikation mit Hilfe von Männern zu zeigen. Denn es kommt, wie es kommen muss - das exemplarische Duo aus dem Schweden Folke (Tomas Norström) und dem Norweger Isak (Joachim Calmeyer) nähert sich langsam einander. Erst wirft Folke vom Hochsitz aus Isak Tabak zu, dann deckt letzterer seinen eingeschlafenen Beobachter fürsorglich mit einer Decke zu. "Zeit für eine Tasse Kaffee", sagt Isak, und Folke steigt vom Hochsitz. Die ersten Worte sind gefallen, der Damm ist gebrochen: Isak und Folke entwickeln eine rührende Freundschaft.

    "Wie kann man denn irgendetwas verstehen nur mit Beobachten?"

    Folke stellt Isak eine Geburtstagstorte auf den Tisch und darf dafür in Isaks Badewanne baden. Isak schläft im Hochstuhl und Folke im Bett des Hausherrn. Dass der oberste Forschungsleiter vor Wut entbrennt, kümmert Folke und Isak herzlich wenig. "Wie kann man denn irgendetwas verstehen nur mit Beobachten?", fragen sich die zwei beim nächtlichen Zusammensitzen. "Wie können wir einander verstehen, ohne zu reden?" Hamer bekräftigt die rhetorischen Fragen: "Denn das glaube ich absolut, dass es Kommunikation braucht, dass es ohne Kommunikation nicht geht", sagt er.

    Details in 50er-Jahre-Atmosphäre sind absolut stimmig

    Der Regisseur stieß bereits vor 25 Jahren in einem alten Buch auf die Skizzen des schwedischen Instituts für Heim und Haushalt. Er hat gründlich gearbeitet - die Details in der 50er-Jahre-Atmosphäre sind absolut stimmig. Die grünen, eiförmigen Wohnwagen etwa, die von Buckelvolvos gezogen werden, hat das Filmteam unter Anleitung von Requisiteur Billy Johansson selbst gebaut. Die Schweden fahren noch links, der Arzt darf bei der Untersuchung seiner Patienten rauchen. "Wenn ich mich dazu entschließe, einen Film zu machen, muss es etwas sein, wofür ich wirklich brenne", sagt Hamer.

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    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

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