40.000
  • Startseite
  • » Kritik: "Mad City": Vermeintliche Geiselnahme mediengerecht ausgeschlachtet
  • Kritik: "Mad City": Vermeintliche Geiselnahme mediengerecht ausgeschlachtet

    Frankfurt/Main (AP) Max Brackett (Dustin Hoffman), Reporter einer lokalen US-Fernsehstation, lechzt nach dem großen Knüller. Er will wieder zurück zu einem großen Sender. Als Starreporter in New York wurde er gefeuert, weil er die Sensationsgier der Medien in einer Live-Sendung kritisiert hatte. Die ersehnte Chance bietet sich Brackett eines Tages, als er Zeuge einer vermeintlichen Geiselnahme wird.

    Er setzt ein großes Medienspektakel in Gang, im Glauben, dem im Grunde naiven Geiselnehmer (John Travolta) helfen zu können. Als Anklage mit deutlichen satirischen Zügen hat Regisseur Constantin Costa-Gavras in "Mad City" den Mißbrauch der Fernsehmacht inszeniert.

    Die Schärfe erinnert an Billy Wilders Film von 1951, in dem Kirk Douglas einen "Reporter des Satans" spielt, der die Rettung eines verschütteten Mannes absichtlich verzögert, um den Nachrichtenwert des Unglücks zu erhöhen.

    Max Brackett sitzt aus Betriebsblindheit einem Mißverständnis auf. Nach einem Routine-Interview im Naturkundemuseum beobachtet er durch die Tür der Toilette, wie ein Mann die von einer Schulklasse umringte Museumsleiterin mit einem Gewehr bedroht. Brackett kombiniert "Geiselnahme", er ruft über Handy seine Redaktion an.

    Doch der Bewaffnete hat überhaupt keine Geiselnahme vorgehabt. Es ist Sam Baily, der entlassene Wachmann des Museums, der nur seinen Job zurückhaben will. Mit seiner Chefin (Blythe Danner) hat er sich derart zerstritten, daß er glaubt, sie höre ihm nur noch unter Zwang zu. Brackett will nichts weiter als eine Reportage über einen traurigen Idioten mit einer Waffe. Baily ist nicht besonders helle, und so hilft ihm der Fernsehmann mit Tips, was er als Geiselnehmer tun müßte, auf die Sprünge.

    Mehr und mehr wird Brackett zum heimlichen Regisseur des Geschehens. Er stellt Baily im Fernsehen als anständigen Kerl dar, der nur sein Leben wieder in den Griff bekommen muß. Tatsächlich geht eine Welle der Sympathie für den Geiselnehmer durch das Fernsehvolk. Dann aber nimmt sich der große Sender, bei dem Brackett früher gearbeitet hat, der Geschichte an und rückt das gewohnte Bild von Gut und Böse wieder zurecht. Die Fäden zieht dabei ausgerechnet der Nachrichtenmoderator Kevin Hollander (Alan Alda), mit dem Brackett vor seinem Rauswurf aneinandergeraten war.

    Costa-Gavras, der Meisterregisseur packender Politthriller wie "Z" und "Vermißt", hat auch "Mad City" mit gekonnter Hand inszeniert. Er führt auf spannende Weise vor Augen, daß es mehr als eine Wahrheit gibt, die von den Fernsehzuschauern nicht objektiv zu beurteilen ist. Der Film verwischt selbst auch Realität und Fiktion, wenn er echte TV-Größen sich selbst spielen läßt: CNN-Talkstar Larry King befragt den Geiselnehmer in einer Live-Sendung, und Late-Night-Talker Jay Leno macht sich lustig über die öffentliche Entschuldigung Bailys.

    Böse zwar, aber wohl realistisch stellt Costa-Gavras die Meute der TV-Teams am Ort des Geschehens dar: Sie wirken wie ein Angriffstrupp im Krieg, wenn sie auf ein paar freigelassene Kinder zustürmen. Doch der Regisseur übertreibt auch, wenn der Wachmann Baily den Kindern im Museum von der Ausrottung der Indianer erzählt, während Spezialschützen der Polizei auf ihn zielen.

    Dustin Hoffman und John Travolta zeigen perfekte Schauspielkunst, die manchmal sogar fesselnder als die Handlung ist. Vor allem Hoffman bringt den Charakter des mit allen Wassern gewaschenen Fernsehreporters exakt auf den Punkt. Als Vorbereitung auf die Rolle habe er sich nur an die Aussage eines Fotografen erinnern müssen, der zur Zeit des Vietnamkriegs die Selbstverbrennung eines Mönchs fotografierte und auf seine Frage, warum er die Flammen damals nicht erstickt habe, antwortete: "Der Fotograf löscht nie das Feuer; er macht nur Bilder."

    Travolta spielt Baily als tapsigen Kerl, der es irgendwie immer alles falsch macht: Ohne böse Absicht schleppt er eine Tasche voll Dynamit mit sich herum, und mit einem im Zorn abgefeuerten Warnschuß verletzt er seinen Kollegen lebensgefährlich.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    1°C - 8°C
    Samstag

    5°C - 7°C
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!