40.000
  • Startseite
  • » Kritik: M. Night Shyamalans brillanter Psycho-Thriller
  • Kritik: M. Night Shyamalans brillanter Psycho-Thriller

    Es gibt Filme, die sollte man zweimal sehen. Aber gibt es auch welche, die man zweimal sehen muss? Für den Psycho-Thriller "Der sechste Sinn" von M. Night Shyamalan trifft das jedenfalls zu.

    In den USA war dieser Film des erst 28-jährigen Amerikaners indischer Herkunft gerade deshalb einer der größten kommerziellen Erfolge des Jahres, weil Millionen Besucher nach dem Schluss des Streifens nichts Eiligeres zu tun hatten, als sich die 103-minütige Geschichte unter ganz neuem Blickwinkel abermals anzuschauen. Ein genialer Einfall ist eben allemal überzeugender als selbst die aufwendigste Reklame.

    Selbstredend darf diese frappierende Idee von Regisseur Shyamalan, der auch das Drehbuch verfasste, hier nicht einmal andeutungsweise offenbart werden. Gesprochen werden muss jedoch über einen Film, der mit klug eingesetzten Gruseleffekten dem Zuschauer ein irritierndes Kinoerlebnis ganz besonderer Klasse beschert. Zu Beginn, es fängt wie stets natürlich ganz harmlos an, sehen wir den offenbar erfolgreichen Kinderpsychologen Malcolm Crowe mit seiner attraktiven Frau bei einer kleinen ehelichen Feier im eigenen Heim. Crowe ist nämlich von seiner Heimatstadt für besondere berufliche Leistungen ausgezeichnet worden. Seine Frau ist stolz, er auch, alles ist gut.

    Doch dann Geräusche, ein offenes Fenster, schließlich ein halbnackter, völlig gestörter Mann im Badezimmer. Entsetzen bei dem eben noch so fröhlichen Paar, Crowe versucht den Mann zu beruhigen. Den aber quält etwas Schreckliches, er konfrontiert den Psychologen, in dem böse Ahnungen aufsteigen, mit vergangenen Begegnungen. Dabei weint und schreit er, ein Furcht erregender Auftritt, der blutig endet: Der Fremde hat plötzlich eine Pistole in der Hand, schießt auf Crowe und hernach sich selbst in den Kopf. Crowe sackt aufs Bett - wie schlimm hat es ihn erwischt, hat er überhaupt eine Überlebenschance? Wir hoffen es, aber wir wissen es nicht. Schnitt.

    Monate sind vergangen, so sagt uns die Schrift auf der Leinwand, und wir begegnen Crowe erneut. Offensichtlich hat er die Verletzung gut überstanden. Denn er wartet auf einen kleinen Jungen, der große, völlig rätselhafte Probleme hat. Cole, so sein Name, ist acht Jahre alt und macht seiner alleinerziehenden, recht überfordert wirkenden Mutter Kummer. Denn da gibt es körperliche Verletzungen ungeklärten Ursprungs und dunkle Ängste, über die Cole nicht sprechen will oder kann. Der Kinderpsychologe braucht lange, bis ihm der Junge den Grund seiner Bedrückung mitteilt, etwas Ungeheuerliches: "Ich kann Tote sehen!" Cole, da gibt es bald keinen Zweifel mehr, hat jenen übersinnlichen sechsten Sinn, der freilich ein Fluch ist.

    Was sich dann auf der Leinwand abspielt, ist subtiler Horror, der weit mehr unter die Haut geht als die mittlerweile üblichen Kino-Schlächtereien im Stile von "Scream" und anderen Machwerken, in denen eimerweise Kinoblut fehlenden Einfallsreichtum ersetzt. Das Ereignis dieses Films ist dabei der kleine Cole-Darsteller Haley Joel Osment, in dessen Gesicht glaubwürdig die ungeheuren Ängste und Qualen abzulesen sind, die das arme Kind peinigen. Daneben agiert Bruce Willis als Psychologe Crowe in der bislang besten Rolle seiner Laufbahn mit erstaunlicher Behutsamkeit, die Australierin Toni Colette überzeugt als ratlose Mutter.

    Niemals erstickt "Der sechste Sinn" in Spezialeffekten, nie wird das Grauen zum billigen Spektakel. In den vom Kameramann Tak Fujimoto beklemmend düster inszenierten Bildern entfaltet sich mit präziser Sogkraft ein unheimliches, unerhörtes Geschehen. Es gehört wenig Prophetenmut dazu, diesen Film bereits jetzt als künftigen Klassiker unter den Psychothrillern zu benennen. Was ihn aber selbst unter den besten Produktionen des intelligenten Gänsehaut-Genres hervorhebt, ist das verblüffende Finale, das allem vorher Gesehenen eine völlig andere Bedeutung gibt. Aber mehr sei keinesfalls verraten von einem Film, der dem Kinojahr 1999 einen späten Glanzpunkt aufsetzt.

    Wolfgang Hübner, AP

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Marius Reichert

    Mail | 0261/892 267

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    4°C - 8°C
    Dienstag

    5°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!