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  • Kritik: "Love etc." erzählt Dreiecksgeschichte

    Frankfurt/M (AP) Benoit liebt Marie, Marie liebt Benoit. Pierre liebt Marie. Marie liebt Pierre und verläßt Benoit - "Love etc." Der jungen französischen Regisseurin Marion Vernoux ist das Kunststück gelungen, aus einer scheinbar abgedroschenen Dreiecksgeschichte einen anrührenden, komischen und in jeder seiner 105 Minuten fesselnden Film zu drehen. Dabei halfen der 30jährigen drei wunderbare Hauptdarsteller und ein gutes Drehbuch, das nach dem Roman "Darüber reden" des Briten Julian Barnes ("Flauberts Papagei") entstand.

    In dem in Paris und an der französischen Atlantikküste angesiedelten Kammerspiel sucht Charlotte Gainsbourg als etwas schüchterne Marie per Kontaktanzeige den Mann ihres Lebens. Die Kunstrestauratorin lernt den leicht melancholischen und langweiligen Benoit (Yvan Attal) kennen, der seinen Kater und Leonhard Cohen mag. Gemeinsam mit Benoits altem Freund Pierre, der das Leben in vollen Zügen genießt, verlebt das Paar glückliche Zeiten. Doch am Tag der Hochzeit wird Pierre plötzlich klar, daß ausgerechnet Marie die Frau seines Lebens ist.

    An diesem Punkt läßt Vernoux ihre Komödie wie auf einer schiefen Ebene sacht, aber unaufhaltsam ins Tragische abrutschen. Dabei versteht sie es in ihrem erst zweiten Kinofilm (nach "Personne ne m'aime"), jeden stilistischen Bruch zu vermeiden; "Love etc." glänzt neben genauen Charakterstudien mit überzeugender Dramaturgie.

    Charles Berling, der den extrovertierten Sunnyboy Pierre spielt, ist mit seiner Hauptrolle in Patrice Lecontes "Ridicule" gerade in die erste Garde des französischen Films aufgerückt. Charlotte Gainsbourg hat sich längst von ihrem "Frechen Mädchen"-Image und aus dem Schatten ihrer berühmten Eltern Serge Gainsbourg und Jane Birkin befreit und verkörpert die Frau zwischen zwei Männern in jeder Phase glaubwürdig - vielleicht auch, weil sie im wirklichen Leben mit Yvan Attal ein Paar ist.

    Regisseurin Vernoux fühlt sich wie Marie hin und hergerissen, und kann ihre geteilten Sympathien sogar in Zahlen ausdrücken: "30 Prozent für Benoit, als er in der Karaokebar singt. 30 Prozent für Marie, als sie am Strand Pierres Tränen sieht. Und 30 Prozent für Pierre, als er aufhört herumzualbern."

    "Love etc." ist im Gegensatz zur deutschen Beziehungskomödienwelle richtig erwachsenes Kino und gehört zu der Vielzahl qualitativ hochwertiger Filme junger Regisseure aus dem Nachbarland. Vernoux wehrt sich aber dagegen, einen typisch französischen Liebesfilm gedreht zu haben: "Was mich wirklich interessierte, war die Dreiecksgeschichte; sie ist nicht wirklich realistisch, auch nicht typisch für Paris. Sie könnte überall und jeder Zeit passieren."

    Immer wieder klingt in "Love etc." leise ein Meisterwerk des französischen Films an: "Jules und Jim" von Francois Truffaut aus dem Jahr 1961, in dem sich Jeanne Moreau nicht zwischen Oskar Werner und Henri Serre entscheiden kann. Ab dem 29. Mai werden sich aber deutsche Kinobesucher für diesen empfehlenswerten Streifen um Benoit, Marie und Pierre entscheiden können.

    Von AP-Korrespondent Uwe Gepp

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