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  • Kritik: "Lost Highway" - Gewalt, Sex und Surrealität bleiben Rezept des Kultregisseurs

    Frankfurt/M (AP) Wer sich für einen Film des amerikanischen Regisseurs David Lynch entscheidet, hat Lust auf Alpträume. Lynchs neues Werk "Lost Highway", das am 10. April in den deutschen Kinos anläuft, bedient diese Erwartung perfekt. Es ist ein Film, den die einen für totalen Stuß, die anderen aber für einen weiteren Geniestreich des 51jährigen halten werden. Zu bewundern ist auf jeden Fall, daß Lynch nach seinen vieldiskutierten Kultfilmen "Blue Velvet" und "Wild at Heart" dem Publikum abermals ein verstörendes Kinoerlebnis und cineastischen Höllentrip beschert.

    Der Film beginnt und endet mit dem Satz "Dick Laurent ist tot". In den 135 Minuten dazwischen geschieht einiges, was mit normaler Logik sehr wenig, mit Lynchs Kopfgeburten aber alles zu tun haben. Vor Jahren wurde dem Sohn eines Agrarwissenschaftlers aus dem US-Bundesstaat Washington in einem Porträt attestiert: "Er sieht Bilder, wo noch keine sind. Er träumt Träume, die noch niemand geträumt hat. Was andere verdrängen oder vergessen, bringt er auf die Leinwand." Der neue Film stellt diese Charakterisierung abermals unter Beweis.

    Zu Beginn ist in fast quälend langen Einstellungen ein attraktives Paar zu sehen, das indessen sexuell nicht sonderlich glücklich ist. Der von dem sympathischen Bill Pullmann gespielte Mann, ein Saxophonist, beobachtet mit eifersüchtigem Mißtrauen seine äußerst attraktive Frau, verkörpert von Patricia Arquette. Geheimnisvolle Videofilme, ein seltsames Männlein mit weißgeschminktem Gesicht und beängstigenden Fähigkeiten irritieren das Paar wie die Zuschauer bis zu einem bestialischen Mord.

    Was dann kommt, ist verblüffend, denn der Mörder in der Todeszelle verwandelt sich in einen Automechaniker. Und der wiederum verliebt sich eine Frau, die nicht ganz zufällig den gleichen verführerischen Körper zeigt wie die schrecklich geendete Ehefrau im ersten Teil von "Lost Highway". Der Betrachter des mysteriösen Geschehens kann sich bei großer Aufmerksamkeit und Kombinierfähigkeit eine einigermaßen schlüssige Geschichte zusammenpuzzeln. Es ist aber wohl die bessere Zuschauerstrategie, sich einfach von Lynchs Phantasie überwältigen zu lassen.

    Es ist die bildmächtige Vorstellungswelt eines Mannes, der aus der tiefsten amerikanischen Provinz mitsamt ihrer ehemals noch heilen Welt stammt. Von sich selbst hat der Regisseur gesagt, erst mit 20 Jahren zu denken angefangen zu haben. Aber er hat sich die Fähigkeit bewahrt, den Schrecken, die Lust und die Abgründe der Welt kindlich-naiv zu betrachten. Ob das echt oder gespielt sein mag, es ist jedenfalls seine unverwechselbare Handschrift, sie macht David Lynch zu einem Kultregisseur. In den USA ist "Lost Highway" alles andere als ein Kassenerfolg. Lynch mußte damit rechnen, denn er hat volles Risiko gewagt. Schon allein deswegen ist der Film das Risiko des Eintrittgeldes wert.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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