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  • Kritik: Literaturverfilmung "Portrait of a Lady" - Gute Schauspieler in einem zu langen Film

    Frankfurt/M (AP) Nach einem grandiosen Film sind die Erwartungen auf ein neues Werk naturgemäß groß. Jane Campion wußte nach ihrem Triumph mit "Das Piano", daß großer Druck auf ihr lastete und wollte auf Nummer sicher gehen. Deshalb wählte sie für ihren neuen Film "Portrait of a Lady" die gleichnamige berühmte literarische Vorlage von Henry James als Stoff, besetzte die Hauptrollen mit exzellenten Schauspielern, wählte attraktive Schausplätze und konnte sich aufgrund ihres großen Etats eine opulente Ausstattung des Kostümdramas leisten.

    Was dabei herauskam, wird die Meinungen spalten. Als Bilderbuch einer vergangenene Epoche mit vergangenen Gefühlen und Problemen hat "Portrait of a Lady" zweifellos Qualitäten. Aber wer ein Bilderbuch ansehen will, muß nicht ins Kino gehen. Dort erwartet man mitreißende Bilder, große Gefühle, bewegende Schicksale. Also all das, was "Das Piano" zu einem unvergeßlichen Leinwanderlebnis gemacht hatte. Es ist zugleich all das, was Campions neue Produktion, die mit 142 Minuten auch zu lang ausgefallen ist, vermissen läßt.

    Vielmehr ist es ziemlich leere Pracht, die mit stolzer Geste präsentiert wird. Welche moderne Frau könnte sich schon mit dieser wohlhabenden jungen Amerikanerin Isabell Archer identifizieren, die nach Europa reist und sich dort unter vielen Bewerbern um ihre Gunst ausgerechnet den falschen aussucht. Daß sich dieses letztlich nicht sonderlich aufregende Geschehen an erlesenen Schauplätzen in England und Italien abspielt, daß die Dekors und Details penibel originalgetreu arrangiert wurden, macht aus der Verfilmung eines literarischen Klassikers noch längst kein großes Kino.

    Campion hat sich schlichtweg für den falschen Stoff entschieden. Die Frage der Inszenierung oder Darstellung ist dabei nebensächlich. Wobei sich an der Leistung der Hauptdarstellerin Nicole Kidman ebenso die Geister scheiden wie bei der Bewertung des gesamten Films. Ihre Verkörperung der schönen Isabell ist verschiedentlich als eines Oscars würdig bezeichnet worden. Das ist sicherlich übertrieben. Denn der Ehefrau von Superstar Tom Cruise gelingt es keineswegs, aus einem eher blassen Drehbuchcharakter eine fesselnde Leinwandgestalt zu formen. Das liegt auch daran, daß Kidman selbst immer etwas blutleer wirkt. Bei manchen Streifen mag das von Vorteil sein, diesmal aber nicht.

    Dagegen imponiert die zu einer großartigen Schauspielerin gereifte Barbara Hershey in der Rolle der tragikumwobenen Madame Merle. Diese vielschichtige Romanfigur kann die 48jährige Hershey glaubhaft mit Leben erfüllen, sie interessiert den Betrachter weit mehr als Isabell. Zwischen den Frauen bewegt sich mit gewohnt eleganter, aber zu routinierter Dämonik John Malkovich. Es ist ein entscheidenes Defizit von "Portrait of a Lady", daß die Anziehung Isabells zu diesem skrupellosen Lebemann lediglich eine Behauptung bleibt, deren psychologische oder sexuelle Dimension dem Zuschauer nicht nachvollziehbar gemacht wird.

    Jane Campion hat einem großen Film einen schwachen folgen lassen. Das ist schon bedeutenderen Filmregisseuren passiert. Wenn die sympathische Neuseeländerin die richtigen Folgerungen aus ihrem Scheitern mit "Portrait of a Lady" zieht, können sich die Kinobesucher schon jetzt auf das nächste Werk der Oscar-Preisträgerin von 1994 freuen.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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