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  • Kritik: Liebe, Mord und Totschlag im arktischen Eis

    Ein nackter Mann rennt durch Eis und Schnee um sein Leben. Sein Atem geht schwer, lange schwarze Haare verkleben sein gehetztes Gesicht. Drei in Felle gehüllte Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Die mit Speeren Bewaffneten haben gerade den Bruder des Flüchtigen getötet.

    Nun wollen sie auch ihn beseitigen. Und sie kommen immer näher. Da strauchelt der Nackte, er stürzt in eine Pfütze. Doch bevor ihn seine Verfolger einholen, rappelt er sich wieder auf und entkommt. So dramatisch die Szene auch ist, zum Schluss des Films "Atanarjuat - Die Legende vom schnellen Läufer" setzt sich das Gute durch.

    Das Erstlingswerk von Regisseur und Produzent Zacharias Kunuk erzählt die Geschichte eines Inuit-Lagers in der kanadischen Arktis zu Beginn des 1. Jahrtausends. Ein Schamane belegt einen Nomadenstamm mit einem Fluch. Fortan ist das harmonische Gleichgewicht der kleinen Gemeinschaft zerstört. Eifersucht, Hass, Rache und Machtgier bestimmen das friedliche Zusammenleben der Ureinwohner.

    Spirale der Gewalt muss durchbrochen werden

    Zwei Brüder, Amaqjuaq (Pakkak Innukshuk), ein starker Krieger, und Atanarjuat (Natar Ungalaaq), der schnelle Läufer, erfahren am eigenen Leib, welch unheimliche Macht selbst nach zwanzig Jahren von dem Bann ausgeht. Als sich Atanarjuat in Atuat (Sylvia Ivalu) verliebt, nimmt das Drama seinen Lauf. Denn die hübsche Frau ist Oki (Peter-Henry Arnatsiaq) versprochen, dem Sohn des Eskimo-Häuptlings. Der Gehörnte schwört Vergeltung. Mit zwei Helfern überfällt er die schlafenden Brüder und ermordet Amaqjuaq. Atanarjuat kann wie durch ein Wunder dem Gemetzel entkommen, doch ihm wird klar: Die Spirale der Gewalt muss durchbrochen werden. Zum blutigen Showdown der Rivalen im arktischen Eis kommt es aber dennoch nicht.

    Erster kanadischer "rundum" Inuit-Spielfilm

    Kunuks dreistündiger Streifen ist der erste kanadische Spielfilm, der von Inuits geschrieben, produziert, verkörpert und in Szene gesetzt wurde. Die mit Gesichts-Tattoos geschmückten Darsteller sind allesamt Laien, was dem Werk ein Höchstmaß an Authentizität verleiht.

    Dialoge in Inuktitut mit Untertiteln

    Die Dialoge in Inuktitut, der Sprache der Inuit, sind mit Untertiteln versehen. Der Regisseur selbst stammt aus dem in der Tundra angesiedelten Volk. Sein mehrfach preisgekröntes Debüt erweckt eine Legende der Urahnen zum Leinwand-Leben. Durch mündliche Überlieferung von Generation zu Generation sollte sie die Jüngeren lehren, wie verheerend es sein kann, persönliche Wünsche über die Bedürfnisse der Gruppe zu stellen.

    Offizielle Filmauswahl der documenta 11 in Kassel

    Das Werk zählte zur offiziellen Filmauswahl der documenta 11 in Kassel. Zudem erhielt "Atanarjuat" bei den Filmfestspielen in Cannes 2001 die Goldene Kamera. Das gelang in der Kategorie Erstlingswerke zuvor nur Größen des Geschäfts wie Kult- Filmer Jim Jarmusch.

    Beeindruckende Schauspieler und Landschaften

    Neben der schauspielerischen Leistung beeindrucken gewaltige Landschaftsaufnahmen am nördlichen Polarkreis. Sie zeigen die unberührte, frostige Wildnis in ihrer ganzen Schönheit. Filmfans gewinnen einen Einblick in archaische Rituale, Kultur und Alltagsprobleme der Inuit, wobei liebevoll Details betont werden: Während die Frauen sich der Kindererziehung und Hausarbeit widmen, gehen die Männer auf die Jagd, um Felle und Fleisch zu erbeuten. Schon damals war Kleidung ein Statussymbol, und Tritte sind nicht immer das beste Mittel, um Schlittenhunde zum Laufen zu bewegen.

    Angenehm unaufdringliches Kinovergnügen

    Trotz der Länge des Films und des Verzichts auf spektakuläre Spezialeffekte weiß "Die Legende vom schnellen Läufer" zu fesseln. Dieses angenehm unaufdringliche Kinovergnügen lebt von den Mitwirkenden und überzeugt durch eine dichte Atmosphäre. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Gezeigt werden keine Stereotypen indigener Völker, sondern Konflikte und Emotionen, die in jedem Kulturkreis vorkommen. Von Donnerstag an (12. Dezember) ist "Atanarjuat - Die Legende vom schnellen Läufer" bundesweit in den Kinos zu sehen.

    Kai Fortelka, dpa

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