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  • Kritik: Liebe in Zeiten von HIV

    Manche Geschichten sind so unglaublich, dass sie wohl nur das Leben selbst schreiben kann. Eine solche wahre Geschichte bringt der norddeutsche Regisseur Detlev Buck ("Wir können auch anders") mit "Same Same But Different" auf die Leinwand.

    Lebensfroher Abenteurer Anfang 20 reist nach Kambodscha, um in einem exotischen Land ordentlich Spaß zu haben: mit Raketenwerfern rumballern, kiffen, trinken. "We come here to get fucked" erzählt er im pulsierenden Phnom Penh einer jungen Disco-Bekanntschaft. Sie nimmt es als Aufforderung und geht mit ihm ins Bett. Da weiß der naive Ben noch nicht, dass Sreykeo ihre Familie mit Prostitution über die Runden bringt.

    Ben verliebt sich, teilt Sreykeos Leben im Armenviertel, gibt ihr Geld, versucht sie von der Straße zu holen. Er jettet zwischen Kambodscha und Deutschland hin und her, im ständigen Bemühen, diese Liebe allen Widrigkeiten zum Trotz aufrecht zu erhalten. Dann erfährt er von Sreykeo via Skype, dass sie HIV positiv ist: "See you next life..."

    Genau das ist Benjamin Prüfer passiert. Er hat darüber die Reportage "Bis der Tod sie mir wegnimmt" und schließlich den autobiografischen Roman "Wohin du auch gehst" (2007) geschrieben. "Same Same But Different" basiert zwar auf Prüfers Story, doch "die Filmrealität ist eine andere Realität als die Lebensrealität", so der Regisseur. Weltpremiere war im August beim Filmfestival in Locarno, wo die Kritiker des Branchenblattes "Variety" den Streifen außerhalb des Hauptwettbewerbs mit dem Piazza Grande Award auszeichneten.

    Der 19 Jahre alte Nachwuchsstar David Kross, der bereits mit Hollywoodstar Kate Winslet in "Der Vorleser" vor der Kamera lag, spielt die Hauptrolle. Regisseur Buck hatte ihn 2006 für sein vielfach preisgekröntes Jugenddrama "Knallhart" entdeckt. In Bucks erstem außerhalb Deutschlands gedrehten Film, der mit teils malerisch schönen, teils erschreckenden Bildern aus Asien aufwartet, verkörpert Kross überzeugend den zwischen Liebe und Zukunftsangst hin und her gerissenen Ben: Ein junger Mann, der arglos als Backpacker mit seinesgleichen Urlaub machen wollte und unvermutet und unter dramatischen Umständen der Liebe seines Lebens begegnet. Kaum erwachsen muss er sich entscheiden, ob er eine kaum zu überblickende Verantwortung übernehmen will oder ob ihm sein eigenes Leben, das in Deutschland geordnet ablaufen könnte, wichtiger ist.

    "Seit der Filmhochschule will ich einen Film machen, der nicht nur, wie so oft, ein bisschen Liebe beinhaltet, sondern nichts außer Liebe thematisiert", so der sich selbst als hoffnungslosen Romantiker outende Buck zu seiner Motivation. Eine Liebe mit dramatisch vorgegebenem Verfallsdatum - aber mit Hoffnung. Denn im wahren Leben sind Benjamin und Sreykeo seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg und Sreykeo hat ihre Krankheit medikamentös im Griff. Ein schöneres Happy End kann sich ein Drehbuchautor kaum einfallen lassen.

    Sonja Puhl, dpa

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