40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Levinsons "Sleepers":
  • Kritik: Levinsons "Sleepers":

    Hamburg (dpa) - "Dies ist eine wahre Geschichte über Freundschaft, die dicker ist als Blut" - mit dem Anspruch auf Authentizität läutet Barry Levinson im Prolog seine packende Story um vier Freunde ein, in der es um sexuellen Mißbrauch von Kindern geht, um Mord, den Meineid eines Priesters und einen Staatsanwalt, der zugunsten der Angeklagten Beweise manipuliert. Mit Stars wie Robert de Niro, Brad Pitt und Kevin Bacon wurde "Sleepers" in den USA im Herbst zum Kassenhit - und schlug zugleich hohe Wogen wegen der angeblichen Echtheit der verfilmten Fakten. Am nächsten Donnerstag läuft der bereits auf der Biennale in Venedig gefeierte Streifen in Deutschland an.

    Die Kontroverse in den USA wurde mit harten Bandagen geführt, denn die im Film präsentierten Details sind nicht ohne Brisanz. Vier Jungen, die in den 60er Jahren im abgewrackten New Yorker Stadtteil "Hells Kitchen" zusammen aufwachsen, geraten nach einem zum Desaster ausgeuferten Kinderstreich, bei dem ein Mensch zu Tode kommt, in die Fänge der Jugendjustiz - und dadurch in eine christliche Erziehungsanstalt. Die Monate dort geraten zur Hölle, brutal werden die Zehnjährigen von den Wächtern sexuell mißbraucht. Jahre später nehmen zwei von ihnen Rache und erschießen den rabiaten Anführer. Die beiden anderen, aus dem Getto als Reporter und Staatsanwalt aufgestiegen, wollen ihre Freunde vor der drohenden Verurteilung retten - mit nicht ganz legalen Methoden und schließlich mit Erfolg.

    Die Geschichte basiert auf dem Beststeller des Reporters Leo Carcaterra, der damit seine eigenen Jugenderlebnisse wiedergegeben haben will. Doch sowohl die christliche Schule "Zum heiligen Herzen Jesu", die Carcaterra besuchte, als auch die Staatsanwaltschaft in New York fuhren den Autor dafür harsch an. In den Akten gebe es keinen derartigen Fall, konterte die Justiz. Und auch die Schule will nicht im trüben Licht erscheinen und verlangte die klare Kennzeichnung als Fiktion. Doch Levinson, der bereits mit "Rainman" und "Good Morning, Vietnam" Erfolge feierte, glaubt seinem Autor, auch wenn der Daten und Charaktere veränderte. "Dieser Film ist keine Anklage des Rechtssystems", so Levinson in den Produktionsnotizen, "aber er stellt die unkontrollierte Macht von Leuten in Frage, die diese Macht mißbrauchen - ob nun in Erziehungsanstalten, Nervenkliniken oder Altersheimen."

    Die Kluft zwischen Moral und Justiz ist der Angelpunkt der zweiteilig angelegten Geschichte. Besonders eindringlich gelingt die Schilderung des Unrechts, das im Zeichen von Recht geschieht, in der ersten Hälfte. Vier junge Talente holte Levinson dafür vor die Kamera. Das psychologische Spiel der einer üblen Erwachsenenwillkür ausgelieferten Kinder geht trotz des nicht ausgesparten Pathos unter die Haut. Verbindende Figur und mit wieder schwarz gefärbtem Haar jugendlicher als seit langem ist Robert De Niro in der Rolle des Priesters, der auf der Seite seiner Schützlinge steht. Mit seinem stechendem Blick und zynischem Lächeln wird Kevin Bacon als Aufseher zu dessen sadistischem Gegenspieler.

    Doch auch wenn die zweite Filmhälfte mit Brad Pitt, Jason Patric, Billy Crudup und Ron Eldard als herangewachsenen Protagonisten und Dustin Hoffman als ihrem zerstreuten Anwalt brillant besetzt ist, aus dem beklemmenden Psychodrama wird nun ein relativ normaler Gerichtsthriller, der an Spannung mit dem packenden ersten Part nicht recht konkurrieren kann. Bei einer Länge von weit über zwei Stunden wäre ein bißchen weniger hier mehr gewesen.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Fabian Strunk

    Tel.: 0261 / 892 324

    Kontakt per E-Mail

     

     

    Fragen zum Abo: 0261 / 98 36 2000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Dienstag

    -3°C - 1°C
    Mittwoch

    1°C - 4°C
    Donnerstag

    4°C - 7°C
    Freitag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!