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  • Kritik: Leiden an der Liebe

    Berlin. Auf der diesjährigen Berlinale lief Oskar Roehlers jüngster Film "Der Alte Affe Angst" als einer von drei deutschen Beiträgen im Wettbewerb - ging aber bei der Preisverleihung leer aus. Zum Trost gewann Marie Bäumer für ihre exzellente Leistung als liebeskranke Ärztin den Bayerischen Filmpreis als Beste Darstellerin.

    Roehler ist für seinen exaltierten Regiestil bekannt - seine Hauptdarstellerin schickte er gemeinsam mit André Hennicke als beziehungsgestörtem Partner in einen leidenschaftlichen Liebesclinch, der bis an den Rand des Abgrunds führt.

    Verzwickte Geschichte mit tragischem Potential

    Roehler - der vor drei Jahren mit dem Künstlerinnenporträt "Die Unberührbare" für Furore und zuletzt mit der Neurotikerstudie "Suck my Dick" für Irritationen sorgte - riskiert in seinem neuen Opus viel. Überaus expressiv, manchmal exzessiv erzählt er von einer "amour fou", von einer extrem leidenschaftlichen Liebesbeziehung: Ein depressiver Theaterregisseur und eine hochsensible Kinderärztin lieben sich, hassen sich, trennen sich, kommen wieder zusammen und können vielleicht doch nicht miteinander.

    Ausgangspunkt der konfliktreichen Beziehung ist ein Kuriosum: Robert liebt Marie, kann aber gleichwohl bei ihr keine sexuelle Erfüllung mehr finden. Da helfen auch ihre reizvollen Dessous und seine Besuche beim Psychiater nicht. Die Krise spitzt sich zu, als sein Vater an Krebs stirbt, bevor er seinen Roman vollenden kann. Der ohnehin von künstlerischen Zweifeln und Ängsten getriebene Robert reagiert sich bei einer Prostituierten ab. Als die selbstmordgefährdete Marie dahinter kommt, verlässt sie ihn. Doch er will sie nicht gehen lassen. Zu allem Unglück verliert Marie auch noch ihr ungeborenes Kind.

    Dieser Film polarisiert

    Seinen Hautpdarstellern in dem packenden Psychodrama, Marie Bäumer ("Der Schuh des Manitu") und André Hennicke ("Toter Mann"), verlangt der Regisseur viel ab. In dem hindernisreichen Beziehungszirkus, der die zerstörerische Kraft der Gefühle zelebriert, treibt Roehler beide zu Höchstleistungen und manchmal auch an die Grenze des Darstellbaren. Gewiss, manchmal überspannt der Filmemacher den Bogen der Exaltiertheiten und das stetige Auf und Ab der Emotionen. Und der um Versöhnung ringende Schluss wirkt in seinem märchenhaften Ton nicht eben glaubwürdig. Eines aber muss man Roehler zugute halten: Sein neuer Film polarisiert, er mag verstören oder begeistern, aber er lässt niemanden kalt.

    Reinhard Kleber, ddp

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