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  • Kritik: Leichtfüßig-melancholischer Liebesreigen, eben: Woody Allen light

    Ein Film für Erwachsene

    Ein metropolitaner Liebesreigen ist wahrlich kein neues Thema, schon gar nicht für den einstigen Independent-Regisseur Edward Burns, der in etwa dasselbe zeigt wie in seinen drei vorhergehenden Beziehungskomödien. Da kreist eine Hand voll weißer New Yorker so ernsthaft um die immergleichen Themen Liebe, Sex, Verantwortung, Betrug, als ob es nichts Wichtigeres gäbe als Zwischenmenschliches im Leben.

    Und so ist es ja auch: Katastrophen beeindrucken zwar kurzfristig, aber mehr Herzklopfen verursacht eindeutig die Frage, ob jener nette Typ aus der Videothek einen endlich zu einem Rendezvous einlädt. Die Lehrerin Maria, die beim Kassettenausleihen den Fernsehproduzenten Tommy kennen lernt, geht zwar mit ihm ins Bett, hält aber emotional auf Distanz. Seit der gescheiterten Ehe mit dem Türsteher und Möchtegern-Musiker Benjamin, der sie nicht in Ruhe lässt, ist sie ein gebranntes Kind.

    Tommy wiederum, gerade von seiner Freundin aus der Wohnung geworfen, versteht nicht, was mit Maria los ist, und flirtet vorausschauend mit der frustrierten Immobilienmaklerin Annie. Deren Gatte, Zahnarzt Griffin, hat ein Verhältnis mit der Kellnerin und Teilzeitstudentin Ashley, welche vom wankelmütigen Benjamin angemacht wird...

    Mit fingierten Interviewszenen auf der Straße, in denen die Protagonisten frank und frei Auskunft über sich geben, und mit exzellenten, wie improvisiert scheinenden Dialogen gibt sich diese Komödie stilistisch als "Woody Allen light". Sicherlich weniger geistreich und weit harmloser als Allens Stadtneurotiker kommen Burns' Großstadtgeschichten aber liebenswürdiger und unaufgeregter daher - und warmherziger.

    Jeder hält sich ein Hintertürchen offen beim "Date", denn Scheidungen sind teuer, und zu viel Herzschmerz ist ungesund und schlecht für die Karriere. Diese treulosen Tomaten werden nie per Slapstick bloßgestellt; man grinst über die Charaktere selbst, über ihre Zweifel und Borniertheiten und über die Gefühlsfallen, in die sie hineintappen - ganz wie im wahren Leben: Vielleicht lieben sie, vielleicht lieben sie auch nur die Idee zu lieben.

    Einmal rechtfertigt sich der selbstgefällige Ehebrecher Griffin damit, dass er "eine "europäische" Ehe" führt. Und in der Tat fühlt man sich ein bisschen wie in einem französischen Beziehungsfilm, in dem viel geredet, aber wenig gesagt wird. Daran erinnern auch die Leichtfüßigkeit und das gekonnte Timing, mit dem, in nur 17 Tagen Drehzeit, alle Episoden und Figuren samt schlecht beratender Freunde, miteinander verwoben sind.

    Es spielen, bis auf die sexy Blondine Heather Graham als Annie (zuletzt in "From Hell") vorwiegend Geheimtipps wie Stanley Tucci und Brittany Murphy (auch im Thriller "Sag' kein Wort"). Nur Burns in der Rolle des Tommy agiert ein wenig selbstverliebt. Mit fließender Handkamera gefilmt, wirken die Porträts dieser Großstadtpflanzen ebenso lebendig wie die Straßen von Manhattan.

    Jedenfalls vermisst man nicht die Spur das Aufgeblasen-Missionarische, das so oft den Spaß an US-amerikanischen Beziehungskomödien verdirbt. Ein Film für Erwachsene: Dementsprechend gibt es keine Moral von der Geschicht' und auch kein strahlendes Happy End, sondern nur ein achselzuckendes "Life goes on".

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