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  • Kritik: Leichte Kost für große und kleine Leute

    Machen wir uns nicht länger etwas vor: Die Insekten haben in Hollywood insgeheim die Macht übernommen. Gewiß gibt es hin und wieder auch Filme aus den kalifornischen Illusionsfabriken, in denen Menschen mit zwei Armen, zwei Beinen und halbwegs aufrechtem Gang vorkommen. Ansonsten aber herrscht rund um den Sunset Boulevard nach "Antz" nun "Das große Krabbeln". Wer das bezweifelt, braucht nur in den neuen Animationsfilm gleichen Titels zu gehen, der ab 11. Februar nach dem Riesenerfolg in Amerika wohl auch hierzulande die Kinos füllen wird.

    Helden wie Schurken sind Insekten in allen Variationen: die fleißigen Ameisen und die bösartige Grashüpfer-Bande um ihren brutalen Anführer Hopper, dazu die gutmütige Raupe Gustl, die Schwarze Witwe Rosie, der putzige Marienkäfer Franzi, der Nashornkäfer Dim, die Gottesanbeterin Manny, die Motte Gypsy sowie der wandelnde Spazierstock Slim. Diesem Personal aus dem Winzlingsspektrum der Natur ist natürlich nichts Menschliches fremd. Und deshalb gibt es auch Helden wie das lange verkannte Ameisengenie namens Flik. Der verursacht indessen erst die Katastrophe, aus der er dann sein Völkchen retten wird.

    Die emsigen Krabbler auf der Ameiseninsel müssen nämlich einmal im Jahr für Hoppers Grashüpfer einen Gutteil ihrer gesammelten Nahrung aufschichten, um sich mit diesem "Schutzgeld" vor der Gewalt der stärkeren Freibeutertruppe freizukaufen. Flik allerdings bringt in seiner gefürchteten Schusseligkeit die aufgeschichtene Opfergabe zum Einsturz. Als die Grashüpfer heranschwirren, erwartet sie eine Enttäuschung, auf die Hopper mit einem Ultimatum reagiert. Flik entschließt sich, Hilfe vom Festland zu holen, schafft auch den waghalsigen Sprung übers Wasser und trifft bald auf den maroden Insektenzirkus von P.T. Floh.

    Was sich nun entwickelt, strebt selbstredend so vergnüglich wie unterhaltsam einem guten Ende zu - schließlich kommt der Streifen aus dem ameisenfleißigen Hause Walt Disney. Und dessen Chef für Animationsfilme namens Peter Schneider hat nur das Beste im Sinn: "Eines der obersten Ziele bei Disney ist, daß wir die Grenzen unseres Mediums immer neu definieren und mit verschiedenen Techniken versuchen. interessante neue Geschichten zu erzählen." Mit John Lasseter, der für Regie und Geschichte verantwortlich zeichnet, ist ein Könner ersten Ranges am Werk gewesen.

    Lasseter hat vor einigen Jahren bereits mit dem ersten komplett computeranimierten Spielfilm "Toy Story" Filmgeschichte geschrieben. Nun haben er und seine über 60 Animatoren mit der Erschaffung von 13 Haupt- und sechs Nebenfiguren, dazu Massenszenen, noch einen draufgelegt. Lasseters Philosophie ist einfach, aber gerade darum sehr erfolgreich: "In unseren Filmen versuchen wir niemals, die Realität zu reproduzieren. Wir gestalten sie so, daß unser Publikum gleich weiß: Diese Welt existiert nicht in dieser Form, aber Junge, sie sieht verdammt echt aus." Es ist im Grunde das Prinzip, das auch die Disneyland-Parks zu Touristenattraktionen gemacht hat.

    Es läßt sich trefflich darüber streiten, ob in Filmen wie "Das große Krabbeln" die Natur, und in diesem Fall die wunderbare Welt der Insekten, verniedlicht, ja unsäglich vermenschlicht wird. Es läßt sich auch darüber diskutieren, wie groß die Kluft zwischen der technisch immer staunenswerteren Form einerseits, den simplen Botschaften solcher Animationsfilme andererseits ist. Das wirft dann allerdings die Frage auf, ob die Ameisen schon die ganze Macht in Hollywood haben. Denn bekannt ist nur die von lockenden Dollarbündeln begrenzte Phantasie von Menschen, nicht aber die von Insekten. Diese nämlich kennt noch keiner, auch nicht nach "Das große Krabbeln".

    Wolfgang Hübner, AP

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