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  • Kritik: Leben und Sterben in Las Vegas:

    Hamburg (dpa). Flirrende Leuchtreklamen, einarmige Banditen und der allgegenwärtige Traum vom schnellen Geld: Las Vegas ist ein Mythos. Als Spielfeld für doppelte Moral, rasanten Aufstieg und Fall ist sie bei Hollywoods Regisseuren aktueller denn je. In diesem Kino-Frühling liefert sie gleich mehreren US-Filmen die dramatische Kulisse. Nach Paul Verhoevens pornographisch angehauchtem Publikumsflop "Show Girls" - eine Stripperin versucht im Las Vegas-Glitter zur Tänzerin aufzusteigen - kommt an diesem Donnerstag (14.3.) Martin Scorseses "Oscar"-verdächtiges Spielhallen-Epos "Casino" in die Kinos.

    Das Leben als Glücksspiel: Vor diesem Hintergrund inszeniert Scorsese sein "Casino" und stellt es ganz in die Tradition opulent-brutaler Gangstergeschichten. De Niro scheint als ewiger Halbwelt-Boss direkt aus dem Mafia-Chicago der 30er um vier Jahrzehnte ins Glitzerambiente der Spielerstadt versetzt. Hart, aber nicht ohne Ehrenkodex führt er als Ace Rothstein mit strikter Hand sein Imperium, in dem der Rubel nur so rollt.

    Scorsese schrieb das Drehbuch für seinen längsten Film (177 Min.) zusammen mit Nicholas Pileggi und baute dessen über Jahre geführten Las-Vegas-Recherchen zu einem detaillierten Spielhallen-Epos aus: Die Maschinerie des Betrügens und Betrogenwerdens entrollt sich in all ihrer Faszination und Abgeschmackheit, und läßt geradezu voyeuristische Blicke in die Welt der Glücksspiel-Mafia zu. Bettszenen sind kaum zu sehen. "Sex ist nicht wichtig. Geld und Macht, das ist Sex", sagt Scorsese.

    Vor dem fast dokumentarischen Porträt der Spielerstadt - rund eine Stunde dauert die Einführung in die Kriminellen-Szene - entwickelt sich die Beziehungsgeschichte: Ace Rothstein schwelgt im Luxus - schier unerschöpflich ist die Auswahl seiner grellfarbenen Seidenanzüge und wildgemusterten Krawatten. Frau und Tochter bettet er auf Rosen, und kann deren Liebe doch nicht erkaufen: Sharon Stone als ehemals selbständiges Edel-Groupie kokst und trinkt sich schließlich als unglückliche Ehefrau zu Tode - mit Mut zu drastischer Häßlichkeit. Stone heimste für die Rolle bereits einen Globe ein und gilt als "Oscar"-Favoritin.

    Mit einem Globe dringend "Oscar"-verdächtig ist aber auch Nicolas Cage für sein bestechendes Alkoholiker-Porträt in Mike Figgis "Leaving Las Vegas" (Bundesstart 9. Mai). Nominiert ist ebenfalls seine Partnerin Elisabeth Shue, die in dem Drama eine Prostituierte spielt. Während die Stärken von "Casino" in der Lebensfülle liegen, kann der Film in Sachen Eindringlichkeit dem Figgis-Drama weder Wasser noch Whisky reichen - trotz des höheren Finanzaufwands. Wo Scorsese das Glamour-Image ankratzt, doch letztlich erneut die Story einer verschworenen Männergesellschaft in "Good Fellas"-Manier erzählt, schneidet Figgis tiefer. Die Stadt wird zum Synomyn für Alles oder Nichts.

    Drehbuchautor Ben (Cage), gefeuert und von seiner Frau verlassen, will sich in Las Vegas schlicht zu Tode trinken. Aus der Zufallsbegegnung mit dem Callgirl Sera (Shue) wächst jedoch eine ungeahnte Liebe - zwei kaputte Menschen trudeln dem unausweichlichen Ende entgegen. Regisseur Figgis fiel mit seinem Film bei der Globe-Vergabe durch: In den Augen der Jury ließ diese sehr persönliche Spielart des "Rien ne va plus" den amerikanischen Traum wohl allzu drastisch sterben.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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