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  • Kritik: "Lebe lieber Ungewöhnlich" vom "Trainspotting"-Team

    Frankfurt/Main (AP) Raumpfleger Robert (Ewan McGregor) ist alles andere als erfreut, daß sein Job einer betrieblichen Rationalisierung zum Opfer fallen soll. Um sich zu rächen, entführt er bei einem ebenso spontanen wie dilettantischen Überfall Celine (Cameron Diaz), die Tochter seines Chefs. Diese beschließt, ihrem tolpatschigen Kidnapper unter die Arme zu greifen, weil sie das Lösegeld selbst gut gebrauchen kann - hatte der gestrenge Vater ihr doch in Aussicht gestellt, daß sie künftig ihren Lebensunterhalt selbst werde verdienen müssen.

    Aus diesem Grundmuster stricken Regisseur Danny Boyle und Drehbuchschreiber John Hodge eine streckenweise recht gewollt wirkende Komödie. Anders als zu erwarten, will sich zwischen dem tolpatschigen Robert und der kühlen Celine zunächst keine Romanze entwickeln. Darum schickt der Himmel die beiden Engel O'Reilly (Holy Hunter) und Jackson (Delroy Lindo) auf die Erde, um das Feuer der Liebe zwischen Entführer und Geisel zu entfachen. Doch das gestaltet sich weitaus schwieriger als zunächst gedacht.

    Daß Boyle eine Geschiche virtuos erzählen kann, hat er mit "Kleine Morde unter Freunden" bewiesen. Das er sie auch brillant zu bebildern vermag, war in "Trainspotting" zu sehen. Wie man trotz ordentlicher Story und originellen Regieeinfällen einen allenfalls durchschnittlichen Film produziert, das zeigt er jetzt in "Lebe lieber ungewöhnlich", der am 22. Januar in die Kinos kommt.

    Die beiden Engel, vom nichtsahnenden Vater als Kopfgeldjäger angeheuert, sind die eigentlichen Stars des Films. Wie sie verzweifelt versuchen, die unwilligen Liebenden zusammenzubringen, zählt zu den komischen Höhepunkten. Da scheitert etwa eine Scheinexekution Roberts, die das Herz von Celine zu erweichen sollte, oder Engel Jackson schickt einen alten Liebesbrief aus seiner Jugend an die Unnahbare, der vor allem O'Reilly zu Tränen rührt.

    Demgegenüber fallen die Leistungen von Diaz und McGregor ab. Zwar verkörpern die beiden ihre gegensätzlichen Rollen durchaus überzeugend und inszenieren den lustigsten Erpresseranruf der Filmgeschichte. Es gelingt ihnen aber nicht, ihre allmähliche Annäherung glaubhaft darzustellen. So ist Robert bis zum Schluß der schusselige Raumpfleger und Celine die zickige Millionenerbin; eine Entwicklung findet nicht statt, und was die beiden aneinander finden, bleibt ihr Geheimnis.

    Dies ist aber auch das einzig Geheimnsvolle an dem Film: Spätestens nach zehn Minuten ist klar, wie das Ganze enden wird, und die Figuren sind zu eindimensional gezeichnet, um wirklich Interesse zu erwecken. Boyle ist verliebt in die eigenen Regieeinfälle, und macht sich nicht die Mühe, die Geschichte ordentlich zu erzählen. Eine Liebesgeschichte ohne Schmalz wollte er drehen, doch hat er mit dem Schmalz gleich sämtliche Emotionen entsorgt. So bewundert der Zuschauer die Perfektion der Bilder und die kalte Kunstfertigkeit des Regisseurs, am Ende aber läßt ihn das Ganze herzlich unberührt.

    Von AP-Korrespondent Ralf Neukirch

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